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Die
Gestalttherapie geht von einem lebenslangen Wachstumsprozess aus, sowie von
dem Potential und der inneren Motivation von Menschen zu geistig-seelischer
Gesundheit, Wachstum und eigenen kreativen Lösungen.
Die Person und
ihr Umfeld werden als ein Feld ständiger Wechselwirkung und gegenseitiger
Beeinflussung gesehen.
In kreativer
Anpassung gestaltet die Person ihre Kontaktprozesse mit der Umwelt.
Anpassungsformen,
die in der Vergangenheit sinnhafte Antworten auf defizitäre und destruktive
Erziehungs- und Umwelteinflüsse gewesen sein mögen, sind in der Gegenwart
sowohl für die Person, als auch für die Umwelt oft dysfunktional und zerstörerisch.
Indem diese Anpassungsformen im Dialog mit dem Therapeuten und mit
bewusstseinsfördernden, erlebnisorientierten Methoden aufgearbeitet werden, können
Möglichkeiten zur Neugestaltung vom Patienten erkannt und realisiert werden.
Entscheidend für
die Wirkung der Gestalttherapie ist die dialogische Haltung des
Gestalttherapeuten: Er tritt seinen Patienten nicht als überlegener
Experte gegenüber. Vielmehr begegnet er ihnen als persönlich erkennbarer,
verständnisvoller Mensch, der sie mit Interesse und Engagement auf ihrer
existentiellen Entdeckungsreise begleitet.
Als
Analytischer Gestalttherapeut sehe ich meine Patienten nicht als krank an,
sondern als lebensgeschichtlich belastet. Ich kann helfen, ihre ureigensten
Bedürfnisse wiederzuentdecken, indem ich ihnen die Tricks bewusst mache, mit
denen sie ihre natürlichen Reaktionen und Bedürfnisse verhindern. Sie können
dann unterscheiden zwischen aufgepfropften Verhaltensweisen und solchen, die
ihren eigenen Bedürfnissen entsprechen. Ich gebe mich aber nicht damit
zufrieden, dass sie ankündigen, sie würden in Zukunft eine Wahl treffen. Das
einzige, was gilt, ist: das Neuentdeckte und das Neuerlernte auszuprobieren;
nicht irgendwann, sondern jetzt!
Daraus entsteht
unmittelbar eine neue Erfahrung, die vom Patienten überprüft werden kann.
Und wie sie ihm „schmeckt und bekommt“, kann er mit mir teilen und
besprechen. Auch wenn es nur eine winzige Wendung ist; es ist ein Knick, ein
neuer Kurs in der Lebens- und Leidenskurve. Und den ersten Schritt dieses
neuen Kurses erlebt und geht der Patient in Gemeinschaft mit mir.
Damit wird ein
Aspekt der Gestalttherapie deutlich, den ich besonders schätze: die unverbrüchliche
Zweierbeziehung!
Bin ich
Patient, so habe ich den Therapeuten als meinen verlässlichen Partner – bis
zu dem Punkt, wo ich sage: „Danke, ich möchte jetzt mit mir alleine
bleiben“.
Bin ich
Therapeut, so lasse ich mich von anderen, die sich dazu äußern wollen, nicht
ablenken; und ich mache den Patienten zu meinem Partner, indem ich ihm
mitteile, was mich im Zusammenhang mit ihm beschäftigt.
Ein Weg in der Gestalttherapie ist, Vermeiden aufzugeben, aufzuhören,
Erfahrungen zu überdecken. Ein anderer Weg besteht darin, unsere Energien
dazu zu bringen, sich auf den Inhalt des aktuellen Problems in Form intensiver
Aufmerksamkeit oder absichtlicher übertreibung zu beziehen. Diese beiden Wege
greifen so eng ineinander, dass man sie als die linke und die rechte Hand des
Gestaltpsychotherapeuten betrachten könnte.
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