Kampfhunde-Besitzer stellten auf dem Gocher Marktplatz ihre Rassen vor:

"Das sind doch nicht alles Killer"

GOCH

Das große "Knuddeltier"
(so sein Besitzer) heißt
"Apollo" und ist 18 Monate alt.
Doch die Rasse Mastin Espanol,
wurde vom Umweltministerium
in NRW als gefährlich
eingestuft.

RP-Foto: Gottfried Evers
GOCH (RP).

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"Das sind doch nicht alles Killer. Das sind Hunde wie andere auch - erst der Mensch macht sie gefährlich", sagt Mario Salzwedel. Der Gocher steht auf dem Gocher Marktplatz inmitten einer ganzen Reihe schwerer, großer Hunde, die fast alle Maulriemen oder Maulkorb tragen - aber sonst recht friedlich wirken. Kinder wieseln dazwischen, schnappen sich die dicken, scheint`s schwerfälligen Tiere, es gibt Kaffee, damit die Finger im Schneetreiben nicht so kalt werden:

"Hunde-Demo" in Goch. Salzwedel und seine Mitstreiter wollen Flagge zeigen, wollen zeigen, dass Kampfhund noch lange nicht Kampfhund ist, wollen Rassen zeigen, die auf der Liste stehen und die man eigentlich nicht kennt. "Das ist doch das Problem, dass die meisten Rassen, die auf der Liste des Umweltministeriums stehen, unbekannt sind. Da kann man einen Pudelmischling zeigen und sagen: das ist ein ganz Gefährlicher", sagt Salzwedel. So dürfe beispielsweise der in Nordrhein-Westfalen als sehr gefährlich (also Maulkorbpflicht und Zuchtverbot) eingestufte Mastin Espanol in Spanien frei herumlaufen. "Der gehört dort zum Kulturgut", sagt sein Halter.
Salzwedel selbst hat zwei Bordeaux-Doggen. Die kennt man aus dem Hollywood-Streifen "Scott and Huutch" als eigenwillige Begleiter eines Polizisten. Das wird jetzt teuer: In Goch sind Hunde der gefährlichen Kategorie hoch besteuert: 860 Mark für einen Hund im Jahr, bei mehreren Hunden 1369 Mark je Hund.
Für ihren Hund der Kategorie 2, einen Briard, muss Margret Kohtes keinen überhöhten Steuersatz in Goch bezahlen. "Wir brauchen den Hund zum Schutz für unser abgelegenes Haus - und als Familienhund", sagt sie. Als sie ihr Tier bekam, galten die Briards noch als zottelig-freundliche Hirtenhunde. Jetzt müssen sie Maulkorb tragen und ihre Besitzer müssen bestimmte Vorgaben erfüllen. "Darüber wollte ich mich informieren", sagt die Gocherin.
Auch Elke Spilman hat einen Hund dieser Kategorie, einen Pyrenäen Berghund. "Viele unserer Hunde haben bereits eine Entbindung der Maulkorbpflicht", sagt Salzwedel, mit Blick auf die Pelztiere. Einig waren sich fast alle Hundebesitzer, dass die neue Hundeverordnung in NRW viele Vorteile hat - was Züchter und Halter anbetrifft. Allerdings, so hieß es in Goch, dürfe man nicht alle über einen Kamm scheren. "Und dazu noch Hunderassen auflisten, die extrem selten sind oder die es gar nicht gibt", so Salzwedel. So gebe es keinen Bandog und auch keinen chinesischen Kampfhund.
Und vom Dogo Argentino seien weltweit nur 6000 Tiere bekannt. Einer war davon in Goch: "Donna" - mit festem Maulkorb.


Von MATTHIAS GRASS