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Reduit Sanierungsbericht + Temperieranlage   zur Startseite

 

Nummer 107

Sonnabend, 08. Mai 1999

Pentagon am Osterbach

Historisches Fünfeck: 1. Bürgerkompanie öffnet Himmelfahrt das Fort C


Von Martin Steffen

Minden (mar). Musik der Kölner Band "Sunnyland", Gelegenheit für die Besucher, sich mit Speisen und Getränken zu stärken und genug Ecken zum Klönen - die Männer der 1. Bürgerkompanie laden zum Frühlingsfest am Himmelfahrtstag. Donnerstag, 13. Mal, 11 Uhr, öffnen sie für Gäste die historische Anlage des Fort C auf dem rechten Weserufer. Seit einigen Jahren wird dieses geschichtsträchtige Baudenkmal für kulturelle und bürgerschaftliche Aktivitäten genutzt.

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Dickes Mauerwerk im zweigeschossigen Reduit (hier das Untergeschoss) sollen vor Angreifern schützen. Nach 1900 fand da Fort C private Nutzer, die den Festungsbau zum Teil  als Stall nutzten.

Das Fort C entstand als Festungsbauwerk. Heute dient es kulturellen Veranstaltungen und am Donnerstag lädt die
1. Bürgerkompanie dorthin ein.

    Der ursprüngliche Zweck des Fort C war natürlich weder kulturell noch bürgerschaftlich, Das Festungsbauwerk entstand im Zuge des Baus der Köln-Mindener Eisenbahn nach 1847 aus rein militärischen Überlegungen: Die Planer der preußischen Festung an der Grenze zum Königreich Hannover wollten die neuen Bahnanlagen in ihr Verteidigungskonzept einbeziehen.
    Dazu gehörte die Sicherung des Bahnhofsgeländes nach Norden und Osten durch Wall-Linien und Mauern, verstärkt durch die Forts A und B. Das Gebiet der heutigen Viktoriastraße, der Brückenkopf und die eigentliche "Weserfront der Kernstadt sollten durch ein vorgelagertes Fort besser vor einem anrückenden Gegner geschützt werden.
    Von 1846 bis 1852 entstand das fünfeckige Fort, umgeben von einem Wassergraben. Im Zentrum der Wallanlage liegt das zweigeschossige Reduit, in das sich im Falle eines Angriffes die Verteidiger zurückgezogen hätten. Die Mauern wurden aus 1,80 Meter starkem Backstein errichtet und mit Porta-Sandstein verblendet. Eine 1,50 Meter dicke Erdaufschüttung mit Grassoden sollte die Decke des Bauwerkes beschusssicher machen. Im Obergeschoss hat das Reduit elf Kanonenscharten; im Untergeschoss hätten Gewehrschützen ihren Platz gefunden.
    Normalerweise war das Fort C nicht mit Kanonen bestückt, lediglich bei Kriegsgefahr wurde es "armiert". Soldaten hätten die Kanonen dann über Rampen auf die Wälle gezogen. Zu einem Kriegseinsatz der stärksten preußischen Festung zwischen Weser und Elbe kam es im 19. Jahrhundert nicht mehr. 1873 wurde die Festung Minden aufgehoben. Stadttore und Festungsbauten wurden nach und nach abgebrochen. Auf den Wall- anlagen entstand auf dem linken Weserufer der Grüngürtel des Glacis. Das Fort C blieb jedoch erhalten und fand nach 1900 private Nutzer, die einen Teil der Kasematten im Wall zu einem Stall umbauten. Teile des Walles wurden abgetragen, der Wallgraben mit Erde verfüllt. Auf dem Reduit wuchsen Bäume aus den Grassoden.
    Zu den Nutzern des Forts gehörte in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur auch die Schlägertrupps der SA, die aus dem Fort ihr "Willi-Freymuth-Heim" machten. An diese düstere Epoche erinnerte bis 1998 ein Hakenkreuz im Fußboden des Reduits, mit dem die Nazis ihre "Machtergreifung" feiern wollten. Nach 1945 verfiel die Anlage und überwucherte.

Ende des Dornröschenschlafes
Erst in den 80er Jahren rückte das Fort C wieder in den Blickpunkt: Von 1986 an begannen elf ABM-Kräfte mit der Instandsetzung. Nahezu an allen Stellen des Bauwerkes war der Originalzustand verändert worden. So waren zum Beispiel historisches Pflaster unterm Estrich verschwunden und an vielen Stellen die Sandsteinquader entfernt worden. Der Innenputz war durchfeuchtet, an den Außenwänden abgefroren. Zur Rekonstruktion stand lediglich ein Lageplan aus dem Jahre 1847 zur Verfügung sowie Fotos und Skizzen vergleichbarer Bauwerke aus dem Bestand des Museums.
    Doch nicht nur im Gebäude musste entrümpelt und saniert werden. Auch die überwucherten Grassoden auf dem Dach des Reduits mussten erneuert werden. Die Wurzeln des Wildwuchses drohten die Decken zu zerstören. Das Dach wurde mit mehreren Lagen Glasvlies, Rhepanol, Heißbitumen, Ziegelsteinen und Kies abgedichtet, ehe die Erdabdeckung aufgetragen wurde.
    Das Fort C sollte ursprünglich Standort für das seit 1988 geplante Preußen-Museum Nordrhein-Westfalen werden. Mit dem Abzug der britischen Streitkräfte nach 1992 war der Zugriff auf die ehemalige Defensionskaserne auf dem Simeonsplatz möglich geworden. Dieses Bauwerk bot mehr Ausstellungsfläche als das Fort auf dem "Kohlenufer". Außerdem bereiteten die Luftfeuchtigkeit und Nässe im Mauerwerk des Fort C Probleme bei der musealen Nutzung. Erst 1995 wurde eine Temperieranlage eingebaut.

Kompanie pflegt Anlage

    Die Instandsetzung des Forts C war 1990 abgeschlossen worden, die Gesamtkosten betrugen nach Angaben des Amtes für Denkmalpflege rund 5,04 Millionen Mark. Seither wird das Bauwerk am Bahndamm gewissermaßen "zweigleisig" genutzt: Zum einen für kulturelle Veranstaltungen wie Kunstausstellungen. Andererseits kann die I. Kompanie des Mindener Bürgerbataillons die Anlage für ihre Treffen nutzen. Die "Kornblumenträger" beteiligen sich auch an der Unterhaltung der Anlage. Regelmäßig wird das Fort C geöffnet - so wie an Himmelfahrt, wenn die "Erste" und ihre Gäste feiern.

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite am 14.02.2006 um 18:57 Uhr