vom 11. Februar 2006

In "Preußen" wird das Klima verbessert

Sanierung im Museum am Simeonsplatz / Investition von 1,5 Millionen Euro / Refinanzierung aus FrauenRäume-Pleite

Minden (mt). Knapp acht Jahre nach der Sanierung und dem Umbau der ehemaligen Defensionskaserne zum Preußen-Museum Minden wird das Gebäude erneut saniert. Kosten: Rund 1,5 Millionen Euro.

Von Hans-Jürgen Amtage

 

Die Sanierungsarbeiten zur Verbesserung der Klimasituation im Preußen-Museum laufen bereits.

MT-Foto: Stefan Koch

 

Die 1829 errichtete Kaserne leidet unter dem Problem, an dem viele historische Gebäude kränkeln: Feuchtigkeit steigt im Mauerwerk auf. Da Dämmungen und Drainagen fehlen, wird die Feuchtigkeit in der Defensionskaserne auch nicht weiter auf ihrem Weg behindert.

Zwar trägt eine so genannte Temperieranlage dazu bei, dass das Wasser im Mauerwerk verdampft. Doch da das Gebäude mit dichten Fenstern versehen ist, die wegen des Aufbaues der Ausstellungsstücke zum Teil nicht geöffnet werden können, werden die frei werdenden Wasserdampfmengen nicht ausreichend abgeführt.

Die Luftfeuchtigkeit, die Besucher abgeben, und die Halogenleuchten, mit denen die Exponate beleuchtet werden, tragen ebenfalls zur Verschlechterung der Klimasituation im Preußen-Museum bei. Martin Glane vom Planungsbüro Rohling AG aus Osnabrück, das mit den Sanierungsplanungen betraut ist, macht das Problem am Beispiel der Beleuchtung deutlich: "Ein wesentlicher Wärmeeintrag in das Gebäude ist die Beleuchtung. Denn Halogenleuchten strahlen zu 90 Prozent Wärme und nur zu zehn Prozent Licht ab."

Bei dieser Gemengelage stellen sich Klimakonditionen in dem Festungsgebäude mit seinen bis zu 2,20 Meter dicken Wänden ein, die alles andere als museums- und damit ausstellungsfreundlich sind. Das gilt im Preußen-Museum am Simeonsplatz besonders für das riesige Kellergeschoss. Die dort herrschenden Temperatur- und Feuchtigkeitswerte machen es bislang unmöglich, die großzügigen Räume für Ausstellungszwecke zu nutzen.

Doch nicht nicht nur im Keller und in den Ausstellungsgeschossen herrschen zeitweise kaum akzeptable Bedingungen. Auch der Ständersaal im Dachgeschoss, eigentlich als Vortrags- und Veranstaltungsraum vorgesehen, ist nach Auskunft von Fachleuten nur ungenügend be- und entlüftet.
Glane: "Auch hier kommt es vor allem im Sommerbetrieb zu Klimakonditionen, die weit außerhalb des Behaglichkeitsbereiches liegen."

So ist die Aufgabenstellung für die Architekten und Ingenieure, die sich all dieser Probleme annehmen sollen, eindeutig: Der freigesetzte Wasserdampf muss abgeführt, die durch die Beleuchtung eingebrachte Wärme auf ein Mindestmaß reduziert werden. Die dazu notwendigen Installationen dürfen aber das Ausstellungskonzept nicht beeinflussen und die Architektur des preußischen Militärgebäudes stören. Gleichzeitig gilt es, die Betriebskosten zu optimieren.

So wird es im Preußen-Museum zukünftig eine energiesparende Grundbeleuchtung geben, die Beleuchtung der Objekte wird durch Bewegungsmelder gesteuert. Ein Klimasystem sorgt im Keller, im Erd- und im ersten Obergeschoss für die Entfeuchtung der Räume und stellt eine konstante Raumluftfeuchtigkeit sicher. Während der Öffnungszeiten des Museums wird außerdem Außenluft zugeführt. Kühlkonvektoren sollen zukünftig für angenehme Raumtemperaturen sorgen. Dabei gilt für alle Zuführungssysteme der Klimaanlage, dass sie in die alte Bausubstanz integriert werden müssen.

Nach Ansicht von Martin Glane kann die Kälteversorgung des Gebäudes über Erdsonden erfolgen. Denn die Lage der Defensionskaserne in der Nähe der Weser und die sich daraus ergebenden hydrologischen Verhältnisse im Untergrund des Militärkomplexes seien nahezu ideal für solche Sonden. So soll in Kürze eine Probesonde niedergebracht und deren Leistungspotenzial getestet werden.

Etwa 1,5 Millionen Euro fallen für all diese Sanierungsarbeiten, die vom Keller bis zum Dach reichen, an. Stolz verweisen Mindener Politiker darauf, dass das Land Nordrhein-Westfalen diese Arbeiten komplett finanziere. Dabei scheint in Vergessenheit geraten zu sein, woher die 1,5 Millionen Euro ursprünglich stammen: Aus der Rückzahlung, die die Stadt Minden für das im Jahr 2002 geplatzte Projekt von "Frauen helfen Frauen" an der Brüderstraße 20 leisten musste. Da sich alle Beteiligten vom Land bis zur Stadt und die Projektträger selbst bei dieser Pleite nicht mit Ruhm bekleckert hatten, führten intensive Gespräche der Stadt mit dem Land dahingehend zum Erfolg, dass eine Art Refinanzierung zugesagt wurde: Das Geld, das die Stadt zurückzahlte, fließt ins Preußen-Museum. Das bedeutet in letzter Konsequenz: Die Stadt zahlt die jetzige Sanierung des Preußen-Museums selbst.

Noch bis Mai 2006 laufen die Arbeiten. Dabei sind einzelne Ausstellungsbereiche teilweise gesperrt sein.


Letzte Aktualisierung dieser Seite am 11.02.2006 um 21:49 Uhr