Für Menschenmassen nicht geeignet
Großveranstaltungen im Preußen-Museum aus Brandschutzgründen nicht mehr möglich
Der große Ständersaal ist für Großveranstaltungen nicht geeignet. Dies stellten Anfang des Monats die Brandschützer fest.
MT-d-Foto: Manfred Otto
Von Stefan Koch
Minden (mt). Feuer und Flamme für den repräsentativen Rahmen des Preußen-Museums sind Organisationen und Verbände aus nah und fern. Doch bereits angemeldete Veranstaltungen im großen Ständersaal wurden jetzt kurzfristig ins Rathaus verlagert. Aus Gründen des Brandschutzes.
Dabei hatte schon Ex-Stadtentwicklungsministerin Ilse Brusis unbeschadet vor großem Publikum im Ständersaal gesprochen; es fanden dort Empfänge und andere Veranstaltungen statt. Die Nutzungsfrage des Gebäudeteils war dabei jedoch seitens der Stadt nicht eindeutig entschieden. Nachdem im vergangenen Jahr Bernd Niemeier die Pacht des Cafe-Restaurants übernommen hatte, einigte er sich mit der Stiftung Preußen- Museum, auch den großen Ständersaal bei Veranstaltungen in die Bewirtschaftung einzubinden. "Schließlich galt es, ein ökonomisch akzeptables Konzept zu finden", so der Gastronom.
Fluchtwege genügen nicht
Aber: Anfang des Jahres stellten Mindens Brandschützer unter anderem fest, dass der Gebrauch des großen Ständersaals mangels Fluchtwegen nur eingeschränkt möglich sei. Die Ausstellungsnutzung erfordere eine Genehmigung. Für Versammlungen seien sogar besondere Auflagen notwendig. Schon in der Vergangenheit hätten größere Menschenmengen nur mittels der Sicherheitswache der Feuerwehr Einlass erhalten.
Bereits vor dieser Entscheidung hatte das Preußen-Museum mehrere Zusagen zur Ständersaalnutzung erteilt. Der Einzelhandelsverband Ostwestfalen-Lippe - an repräsentative Umgebungen wie die Bielefelder Kunsthalle oder das Lippische Landesmuseum gewöhnt - hatte dort zu seinem gestrigen Neujahrsempfang eingeladen. Dank der Vermittlung durch Bürgermeister Reinhard Korte wurde dann das Rathaus als Ausweichquartier gefunden. Und auch die FDP-Fraktion im Kreis musste die Couverts sämtlicher Einladungsschreiben zur Feier ihres 50-jährigen Bestehens wieder öffnen und das Rathaus als neue Adresse einfügen. Dazu der liberale Vize-Landrat Kai Abruszat: "Schade, das wäre eine gute Werbung für das Preußen-Museum gewesen."
Ob in Zukunft der große Rathaussaal wegen des Brandschutz-Flops zum neuen Mosaik im Stadtwerbungskonzept wird? In einer Pressemitteilung erklärte die Verwaltung, dass das Ausweichquartier nur eine Übergangslösung darstelle, die zeitlich eng befristet sei. Die Stadthalle oder die Kampa-Halle böten sich dann als Ersatz an.
Stadt muss investieren
Wer jedoch etwas mehr als nüchterne Funktionalität sucht, wird sich gedulden oder auswärts umsehen müssen. Winfried Tuleweit, Leiter des Bereichs Bauen und Wohnen: Für eine mögliche weitere Genehmigung, den Ständersaal für Veranstaltungen mit bis zu 200 Personen nutzen zu dürfen, müssten bauliche Veränderungen vorgenommen werden, die im Detail derzeit noch nicht feststünden. Für diese Investitionen sei die Stadt dann zuständig.
Dessen ungeachtet wirbt das Preußen-Museum auf seiner Homepage mit dem Satz: "Räume für Veranstaltungen und Tagungen sowie ein Cafe-Restaurant runden das Angebot ab." Im Bessel-Saal wird es jetzt wegen der Einschränkungen im Nachbarraum eng. Zuletzt quetschten sich die Gäste beim Vortrag über 300 Jahre Preußen und beim Tucholsky-Abend.
copyright by mt-online.de
20.01.2001