04.08.2008
 
Theater gegen Krieg im Militärdenkmal
 
Tucholsky Bühne Minden probt für "Mutter Courage und ihre Kinder" / Premiere am Donnerstag im Fort A
 
Minden (mt). Krieg spielen vor historischer Kulisse - darum geht es mit Sicherheit nicht, wenn die Tucholsky Bühne Minden jetzt in ihrem neuen Domizil, Fort A, Bertolt Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder" probt.

Von Ralf Kapries


Namensgeber Kurt Tucholsky war überzeugter Pazifist. Und auch Eduard Schynol, Regisseur und Leiter des Amateur-Ensembles, ist der Ansicht: "Man will uns wieder zunehmend einreden, es sei `in´, für Volk und Vaterland zu sterben, aber das ist es nicht", setzt er mit Nachdruck hinzu. Insbesondere in den bei bestimmten Altersgruppen von Jugendlichen so beliebten Mangas will er diesen Trend zu neuem Heldentum entdeckt haben. Die Aussage des 1939 entstandenen Antikriegstückes sei damit immer noch aktuell. "Und außerdem ist es ein tolles Stück mit hervorragenden Schauspieler-Rollen", betont der Theatermacher.
 

 

Mutter Courage orakelt ihren Kindern Kattrin und Schweizerkas die Zukunft (v. l.: Lena Meier, Beate Schweinsberger und Niklas Schröder).

 
     
Mutter Courage versucht sich als Friseurin, während Regimentshure Evita Portiero (Thea Luckfiel) ihr ihr Leid klagt. (Fotos: Ralf Kapries)

Namensgeber Kurt Tucholsky war überzeugter Pazifist. Und auch Eduard Schynol, Regisseur und Leiter des Amateur-Ensembles, ist der Ansicht: "Man will uns wieder zunehmend einreden, es sei `in´, für Volk und Vaterland zu sterben, aber das ist es nicht", setzt er mit Nachdruck hinzu. Insbesondere in den bei bestimmten Altersgruppen von Jugendlichen so beliebten Mangas will er diesen Trend zu neuem Heldentum entdeckt haben. Die Aussage des 1939 entstandenen Antikriegstückes sei damit immer noch aktuell. "Und außerdem ist es ein tolles Stück mit hervorragenden Schauspieler-Rollen", betont der Theatermacher.
 

Geprobt wird seit März. Dann kam die Unterbrechung durch die Sommerferien. "Ich fürchte, da haben alle ihren Text schon wieder vergessen", unkt Schynol vor der ersten Probe nach den Ferien, wird jedoch eines Besseren belehrt. Die Darsteller wissen noch erstaunlich gut, was sie zu sagen und zu tun haben. Besonders Beate Schweinsberger in der Titelrolle benötigt kaum noch die Hilfe der Soufleuse.

Ein bisschen ungewohnt sind die bisherigen Requisiten, auch sind die Kostüme nicht vollständig. Und dann kann mancher noch nicht so recht abschätzen, wie lange es dauert, um durch die langen Flure und Gewölbe des Forts zum nächsten Auftrittsort zu kommen. Das historische Gebäude, das kurz nach dem Bau der Cöln-Mindener Eisenbahn 1848/50 fertiggestellt wurde, bietet den Theaterfans Auftrittsflächen auf drei Ebenen.

 
Zuschauertribünen statt Wildwuchs

Balkone, Treppen, Kellertreppen und Gewölbe, gute akustische Bedingungen im Innenhof und hinreichende Abschirmung nach außen bietet das Fort A. Das Baudenkmal, das noch zu Anfang des Jahres einen verlotterten Eindruck machte, hat dank der intensiven ehrenamtlichen Arbeit der Bühnen-Aktiven erheblich an Attraktivität gewonnen. Wildwuchs wurde entfernt, Bühne und Zuschauertribünen errichtet. In den letzten Jahrzehnten hatte das Gelände einen unrühmlichen Dornröschenschlaf geschlummert.

Der Stein- und Stahl-Bildhauer Peter Paul Medzech installierte seine multifunktionale Skulptur über dem Eingangsbereich und sorgte für eine repräsentative Ausschilderung. Ein meterhohes Schild steht an der Zufahrt von der Friedrich-Wilhelm-Straße / Ecke Festungsstraße, eines verstärkt eine Eingangstür an der Frontseite.

Die Premiere ist am Donnerstag, 7. August, 20 Uhr. Kartenvorbestellungen sind - außer zur öffentlichen Generalprobe am Mittwoch, 6. August, 20 Uhr - im Internet (www.tucholsky-buehne.de) möglich. Vorverkauf bietet die Buchhandlung Bücherwurm, Alte Kirchstraße 21, in Minden. Einige Karten werden immer auch noch für den Verkauf an der Abendkasse zurückbehalten. Zur öffentlichen Generalprobe ist der Eintritt frei.

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