23.09.2008
 
Fort A mit viel Liebe aus dem Dornröschenschlaf geweckt
 
Historische Festungsanlage bewährt sich als Freilufttheater / Tucholsky Bühne zieht positive Bilanz am neuen Spielort
 
Minden (jhr). "Es hat sich alles aufs Beste angelassen", erklärt Eduard Schynol. Der Vorsitzende und Regisseur an der Tucholsky Bühne ist hochzufrieden mit der vergangenen Saison.
 
 
Die Prinzen des wach geküssten Fort A: Eduard Schynol, Rudi Brune, Allegro Sprute, Barbel Bode, Edith von Wrisberg und Beate Schweinsberger (v. li.).
Foto: Jan Henning Rogge

Am Samstag vor einer Woche schloss sich zum letzten Mal der Vorhang für das diesjährige Sommerstück "Mutter Courage". Zeit für eine Bilanz - und die fällt positiv aus: "Jede Vorstellung war ausverkauft", erzählt Eduart Schynol, "nur eine Vorstellung fiel aus - wegen schlechten Wetters. Alle Erwartungen wurden weit übertroffen."

Rund um den Spielort entstehen nun neue Ideen. "Wir planen, hier auch Lesungen und musikalische Veranstaltungen stattfinden zu lassen", erzählt Eduard Schynol. Außerdem gibt es Pläne für einen Weihnachtsmarkt - "Die sind aber noch sehr vage", sagt Edith von Wrisberg (MI), die sich auf politischer Seite für die Nutzung des Ortes durch die Tucholsky Bühne stark gemacht hat. "Es ist wichtig, für die rechte Weserseite, einen solchen Kulturknotenpunkt zu haben", begründet sie ihr Engagement. "Andere Interessenten sind schon da und werden hier auftreten", ergänzt Eduard Schynol.

Nebenbei hat die Tucholsky Bühne gemeinsam mit dem Lions Club Porta Westfalica-Judica auch noch Geld für das Mindener Sommerbad gesammelt. 2500 Euro kamen durch verschiedene Aktionen während der Aufführungen zusammen. Besonders beliebt bei den Gästen: Der "Mutter Courage Teller", den die Lions Club-Frauen anboten: Frikadelle, Wurst und Gewürzgurke - Deftiges zum Brechtschen Drama. "Wir möchten diese Zusammenarbeit auch künftig gerne fortsetzen", erklärt Bärbel Bode, Präsidentin von Judica.

In der Wintersaison wird Eduard Schynol zunächst auf alt vertrautes zurückgreifen: "Rampenloch -Ten years after" lautet der Titel der geplanten Produktion. Freunden der Bühne wird der Titel bekannt vorkommen. Zum 1200-jährigen Stadtjubiläum inszenierte der Regisseur bereits das Stück "Rampenloch - Er nun wieder". Nun wird es eine aktualisierte Version geben. Zwei Prostituierte werden darin die Mindener Stadtgeschichte Revue passieren lassen, inklusive Widukind und Karl dem Großen - "Seriös recherchiert, frivol inszeniert", bemerkt Eduard Schynol.

Im Sommer ist dann neben einem Kinderstück, "Zwerg Nase" eine Bühnenadaption des Billy Wilder Klassikers "Eins, zwei, drei" geplant. Das Publikum kann gespannt sein, wie diese Ost-West-Kinokommödie von 1961 ihren Weg auf die Bühne im Fort A findet.

Doch das alles liegt noch in der Zukunft. Auch Mutter Courage Hauptdarstellerin Beate Schweinsberger ist zufrieden. "Es war eine große Herausforderung. Am liebsten würde ich gleich weitermachen", sagt sie. Auch der jüngste Darsteller ist noch ganz begeistert. Der siebenjährige Allegro Sprute spielte "einen Bauernjungen, der sterben muss". Seinen Text kann er noch auswendig. "Das hat Spaß gemacht", befindet er "- das Sterben aber nicht so."

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