Bauwerke für Krieg und Frieden

 

auszugsweise abgeschrieben

aus dem Mindener Tageblatt vom 12.09.2005

Dunkelheit und ein Geruch, den auch Geschichtsbegeisterte nicht unbedingt in der Wohnung haben mögen. Staub, Schutt, zerbrochenes Glas. Dann Tageslicht von der Seite,  eine Öffnung mit Grün überwuchert. Vorsichtig klettern die Besucher ins Freie.  So wie im Fort A an der Mindener Friedrich-Wilhelm-Straße  erkundeten zum Tag des Offenen Denkmals über tausend Interessierte in Stadt und Umland bekannte und unbekannte historische Bauwerke.

 

Das Schwerpunktthema des  Denkmaltages 2005, „Krieg und  Frieden", bestimmte im ehemals befestigten Minden das  Programm: Neben dem Fort A  standen das Fort C und das ehemalige Pulvermagazin der Bastion VI, der heutige „Bunker", Besuchern offen. Der„Bunker" am Königswall  und das Fort C auf dem rechten  Weserufer zeigten die Bewahrung historischer Bausubstanz und  unterschiedliche  Nutzungskonzepte aus der Bevölkerung.  Zumindest gestern  dürften beide Orte auch Publikum jenseits der Besucher von Konzerten oder Kompanieversammlungen angezogen haben.

Das Fort A erwies sich als besonderer Besuchermagnet, obwohl von ihm im Wesentlichen nur das Reduit, also der zentrale Rückzugs- und Verteidigungsbau, erhalten geblieben ist.

Letztmals war es 1995 zur Besichtigung geöffnet gewesen.

 

Selten Zugängliches zieht Besucher an.

 

Bereits zur ersten Führung um 13 Uhr standen fast 100 Besucher vor dem Reduit, um 14.30 seien es über 120 gewesen, gegen 16 Uhr dann etwas weniger als bei der ersten Führung, berichtete Dieter Bommel, der insgesamt über 300 zählte. Er ist bei der Stadtverwaltung Minden für Denkmalschutz und Dorferneuerung zuständig und schloss das im allgemeinen nicht zugängliche Fort auf.

 

Mit den Forts B und C sollte das Fort A den Mindener Bahnhofsbezirk nach Norden und Osten sichern und wurde kurz nach der Einweihung der Cöln-Mindener Eisenbahn 1848/50 fertig gestellt.

Wie die gesamte preußische Grenzfestung Minden sei das Fort unter militärischen Gesichtspunkten 1866 überflüssig geworden, als Preußen das benachbarte Königreich Hannover besetzte, schilderte Bommel  den Besuchern die Entstehung des Bauwerks, bevor er die Besucher in das Reduit führte. Der Rückbau der ursprünglich etwa 430-mal 420 Meter umfassenden Anlage mit ihren Außenwerken habe mehrere Jahre in Anspruch genommen. Die militärische Nutzung des Bauwerks blieb vorerst.

 

Die Besucher tasten sich Sonntag vorsichtig durch das Hufeisen des spärlich ausgeleuchteten Reduits, in dem bereits während der Festungszeit, Soldaten und Gerätschaften untergebracht waren.

 

Vom Krankenrevier   zum Schrottplatz

 

Nach Aufhebung der Festung diente das Reduit dem Hannoverschen Pionierbataillon 10 als Krankenrevier. Die in dieser Zeit teils in die Schießscharten   eingesetzten Fenster sind heute zugemauert. Die auf Lücke gesetzten Steine lassen wenig Luft und noch weniger Licht in die Gewölbe.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Reduit zivil genutzt. Jahrzehnte lang diente der Bereich des ehemaligen Forts einem Rohproduktenhandel als Lager.

„Blech - Schrott - Gummi" steht noch an einer Wand. Ein Besucher fragt nach der Belastung des Bodens durch den Schrottbetrieb rings um das Fort. Bommel verweist auf die Dekontaminierung nach dem Ende des Unternehmens.

 

1988 übernahm die Stadt das Fort A. Als die Besucher Dunkel und allerlei Gerumpel hinter sich gelassen haben blicken  sie im Innenhof des Reduits auch auf ein Überbleibsel dieser Zeit: Das Bauwerk trägt die festungstypische   Erdabdeckung zum Schutz vor Beschuss. „Diese Erddecke wurde im   allgemeinen nur für einen drohenden Belagerungsfall errichtet", so Dieter Bommel.

Um 1990 habe die Stadtverwaltung  überlegt, das Fort A museal zu  nutzen.

   

Nachträglich ein „kriegerisches" Dach

 

Das Reduit erschien als ein  möglicher Standort Air dass gerade ins Leben gerufene Preußen-Museum, „bevor die britischen Kasernen am Simeons- platz geräumt wurden".

Um den möglichen Museumsstandort vor weiterem Ver- fall zu schützen und gleichzeitig „echte" Festungsatmosphäre zu  erzeugen, waren vor dem Freiwerden des Simeonsplatzes am  Fort A neben Sicherungsarbeiten auch eine „kriegsmäßige"  Erdschüttung auf dem Reduit verteilt - 100 Jahre nach dem  Ende der Festungszeit.

Das überwucherte Kriegsdach und der wild begrünte Innenraum des Reduit kontrastieren mit der Symmetrie des  Bauwerks und den gleichmäßig gesetzten Toren und Rundbogenfenstern. Deren ursprüngliche Eleganz wird durch nachträgliche  „Anpassungen" (Stahlträger und Türdurchbrüche) erst recht deutlich. Die Zukunft dieses Bauwerks mit Vergangenheit ist sichtbar offen. Die Stadt sei für tragfähige Nutzungskonzepte offen, meinte Bommel.

 

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