Das berichtet

Applaus statt Appell im Fort A

 

Neue Hausherren im Fort A:
Rudi Brune, Maike Costanzo, Eduard Schynol (von links) und Theaterhund Wiston von der Tucholsky-Bühne.

MT-Foto: Manfred Otto

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Tucholsky-Bühne wird im ehemaligen preußischen Festungsbauwerk am Bahnhof sesshaft
 
Minden (mt). Ausgerechnet eine ehemalige preußische Festungsanlage wird in Minden zur Theaterbühne. "Nun heißt es Applaus statt Appell, Proben statt parieren und statt Kadavergehorsam gilt hier jetzt die Kunst", freute sich Eduard Schynol, Spielleiter der Tucholsky-Bühne, als er den Schlüssel für die Anlage von Gerald Schüler, Betriebsleiter der städtischen Betriebe, übernahm.
 
Von Ursula Koch
 
"Dornröschen hätte an diesem Ort auch gut gepasst", sagt Schynol mit Blick auf die alles überwuchernden Brombeerranken im Innenhof und auf dem Dach des hufeisenförmigen Gebäudes, das nach dem Bau der Köln-Mindener-Eisenbahn 1847 zum Schutz des Bahnhofs angelegt wurde. In der Tat hat die Anlage einige Jahre Dornröschenschlaf hinter sich und mutet nun ein wenig wie ein verwunschenes Schloss an. Ein tiefer Graben umgibt das Sandsteingebäude mit den zugemauerten Rundbogenfenstern und den drei schmucken Treppen-Eingängen. Die Natur hat sich das Areal, das 1995 zuletzt saniert und bis vor vier Jahren als Depot für das Mindener Museum genutzt wurde, zurückerobert.

"Es ist uns nie gelungen, das Gelände einer Nutzung zuzuführen", berichtet Schüler. Es habe zwar immer wieder Anläufe gegeben, die aber nie konkret geworden seien. Einen solchen Anlauf gab es auch vor eineinhalb Jahren. Damals hatte die Kulturpolitikerin Edith von Wrisberg gehört, dass die Tucholsky-Bühne Bertolt Brechts "Mutter Courage" aufführen möchte und machte die Amateur-Schauspielertruppe auf dieses Gelände aufmerksam. Die Gruppe war sofort angetan von dem Gelände, doch dann stand noch einmal das Kapital dazwischen. Doch auch diese Pläne konkretisierten sich nicht. "Wir überreichen das Areal mit Überzeugung. Das Konzept der Tucholsky-Bühne ist überzeugend", sagt Hausherr Schüler.
 
Damit scheint die Tucholsky-Bühne sesshaft zu werden. In der Vergangenheit hatte sie immer neue, zu den jeweiligen Theaterstücken passende, Spielorte erschlossen - dieses Wochenende ist der "Hauptmann von Köpenick" zum letzten Mal im Preußen-Museum zu sehen, davor waren sie im Sommer mit "Harold & Maude" auf dem Alten Friedhof und im Jahr davor mit den "Nibelungen" im Besucherbergwerk Kleinenbremen.
 
Spielort steht auch anderen Künstlern offen

Bevor sie am 7. August mit "Mutter Courage" im Fort A Premiere feiern können, muss das Gelände hergerichtet werden. "Wir spielen nicht im Gebäude, sondern im Innenhof", betont Schynol. Doch auch das bedeutet mehr Arbeit, als die Amateure leisten können. In dem eigentlich gepflasterten Hof muss die Erde abgetragen werden und die Mehrzahl der jungen Birken soll weichen. Ein Stromanschluss fehlt bislang. Im Gebäude will sich die Truppe Garderoben und einen Technikraum einbauen.

Wie im Botanischen Garten soll für rund 150 Zuschauer eine Tribüne eingerichtet werden. Für andere Bedürfnisse von Schauspielern und Zuschauern sollen vorerst Toilettenhäuschen (die Luxus-Ausführung mit Waschbecken) gemietet werden. "Wir werden hier etwa 10 000 Euro investieren", sagt Schynol.

Wenn alles fertig ist, will die Tucholsky-Bühne das Gelände nicht alleine nutzen, sondern ihre Bühne auch anderen Kulturschaffenden zur Verfügung stellen, wie im vergangenen Sommer im Botanischen Garten. Ideen für weitere Aufführungen hat Schynol bereits: Eine Fortsetzung der Nibelungen wurde gut an diesen Ort passen. Kindertheater will die Truppe auch ins Programm nehmen. Vielleicht ist dann ja Dornröschen an der Reihe.