Nummer 293

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Montag, 16. Dezember 1999


"Schätze müssen wir zum Leben erwecken"

Rund um den Bahnhof tut sich was: Entwicklung wird vorangetrieben / Historisches Erbe und moderner Mobilitätsknoten

Von Monika Jäger


Minden (mt). Ein Schmuckstück soll Mindens Bahnhof werden. Doch für die Verwandlung des hässlichen Entleins in einen stolzen Schwan muss viel Arbeit geleistet werden. Und woher kommt das Geld? 


Information vor Ort:  
Das historisch einmalige Fort A besichtigten die Mitglieder des Bauausschusses, bevor sie sich mit dem neuen Bahnhofs-Konzept befassten. 

MT-Foto: Manfred Otto 

        Wenn es nach den Visionen von Mindens Stadtentwicklern geht, dann wird sich demnächst rund um den Bahnhof so einiges tun. Drei Aspekte mit jeweils ganz eigenen Problemstellungen müssen bei einer Entwicklung des Geländes berücksichtigt werden: Der Bahnhof selbst, das Gelände drumrum und die historisch einmaligen Bauten wie das Fort A. 

        Zunächst geht es um den Bahnhof selbst, die "Visitenkarte" Mindens, so Bürgermeister Reinhard Korte. "Der Bahnhofsvorplatz ist ja inzwischen sehr schön geworden. Aber am Bahnhofsgebäude selbst muss dringend was getan werden", findet auch Wolfgang Griesert, Leiter des städtischen Fachbereichs 5 Bauen - Wohnen - Verkehr. Die Idee, die Südfassade in ursprünglichem Zustand wieder herzustellen, dazu beispielsweise die drei Rundbögen wieder zu öffnen, ist nicht ganz neu - ebenso wie der Wunsch nach einer Umgestaltung der Bahnhofshalle. Neu ist, dass schon recht bald etwas passieren könnte. 

Land hat Mittel in Aussicht gestellt 

        Gespräche zur Umgestaltung des schon recht betagten Gebäudes haben mit dem Bahnhofsmanager stattgefunden, das Land hat über die Bezirksregierung bereits Mittel dazu in Aussicht gestellt. Ein Bewilligungsbescheid über 250 000 Mark ist nach Auskunft von Griesert auf dem Weg, weitere Gespräche über die Förderfähigkeit einzelner Ideen laufen noch zwischen Bahn und Land. Der Umbau des Bahnhofes würde mit einer runden Million zu Buche schlagen schätzt Griesert. Vom Land könnten insgesamt rund 750 000 Mark als Festbetragsförderung dazukommen. Dann bliebe eine Restsumme, die sich Bahn und Stadt Minden teilen müssten. 

        Da kommt die Zeitschiene ins Spiel: Der Haushalt 2000 ist im Entwurf fertig - bisher ohne dass Mittel für einen Bahnhofsaus- oder -umbau eingestellt wären. Soll schnell etwas geschehen, müsste hier kurzfristig umgelenkt werden. Bekanntlich nicht ganz einfach in Zeiten knapper Gelder. 

        Zweite Chance für die Entwicklung des Bahnhofsgebietes: Die Gleisflächen um das Gelände herum. Viele davon würde die lmmobiliengesellschaft der Bahn gerne veräußern, erklärt Grießert. Auf dem Markt ist bereits die Güterspedition, und ein Mindener Unternehmer hat an dem Objekt bereits Interesse angemeldet. 

        Insgesamt liegen da zwischen Viktoriastraße und Festungsstraße, Hafenstraße und Bahnstraße fünf bis sechs Hektar, die für Gewerbe und Dienstleistung erschlossen werden könnten. 

        Zunächst allerdings müssten die Gleise entfernt, Altlasten entsorgt werden. Unter anderem ist auf dem Gelände eine Tankstation der Bahn, durch den Bahnbetrieb kann es ebenfalls zu Verunreinigungen gekommen sein. Auch ein ehemaliges städtisches Gaswerk liegt an diesem Standort. Hier müsste zunächst genau hingesehen und sicherlich auch zum Teil saniert werden, bevor Neues entstehen kann. 

Drei bis fünf Jahre für die Entwicklung 

        Zwischen drei und fünf Jahren, so Griesert, könnte es dauern, bis das Gelände reif zum Verkauf ist, Doch ein Entwicklungskonzept für das Gesamtgebiet muss  jetzt schon her - und zwar möglichst schnell. "Wir bekommen immer öfter Anfragen wegen unterschiedlicher Nutzungen auf dem Gelände. Da ist es wichtig, ein Gesamtkonzept zu haben", sagt Griesert. Erst durch einen Rahmenplan würde die schlüssige Nutzung des gesamten Areals ermöglicht. 

        Dieser Rahmenplan soll jetzt - in Abstimmung mit den politischen Gremien, - auf den Weg gebracht werden, betonte Bürgermeister Korte gestern Nachmittag im Bauausschuss. Er setzt sich für die Entwicklung dieses Gebietes ein. 

        Ein externes Planungsbüro könnte so die Vorstellung der Stadt, das Gelände untersuchen und Vorschläge zur Entwicklung machen. Ein Projekt, fürs kommende Jahr - falls die Kostenfrage geklärt werden kann. Rund 100 000 Mark sind für die ersten Schnitte der Rahmenplanung nötig.

        Wenn an diesem Ort Dienstleistung und Gewerbe angesiedelt würden, wäre das keine Konkurrenz für die Innenstadt, ist Griesert sicher. Anders denken Vertreter des Einzelhandels. Die haben bereits im Herbst Bedenken geäußert, als ein Referent vom Landesbauministerium auf die Potentiale des Bahnhofsgeländes hinwies. Sie sorgen sich, die Innenstadt könnte an Anziehungskraft verlieren. 

        Klar ist: Weder Wohnbebauung (wegen der benachbarten Bahnlinien) noch Industrie (wegen der benachbarten Wohnungen) kann zwischen Gleis 1 und Friedrich-Wilhelm-Straße entstehen. In Frage kämen allerdings auch kulturelle Einrichtungen und Freizeitangebote. "Dienstleister fragen in Minden verstärkt nach freien Flächen", so Griesert, der eine schnelle Entwicklung des "Geländes für eine große Chance für Minden hält. 

Attraktivität gesteigert 

        "Ein Angebot freier, entwickelter Flächen zu haben ist in einer Zeit, in der Unternehmen schnelle Entscheidungen treffen, wichtig für eine Stadt." Obendrein versprechen sich die Stadtentwickler auch gute Effekte für das Gebiet zwischen den Brücken - auch hier könnte indirekt die Attraktivität gesteigert werden. 

        Wäre noch der dritte Aspekt: Die Historie. Griesert: "Minden hat mit Fort A und Fort B sowie Fort C preußische Festungsanlagen, die mit keiner anderen Anlage irgendwo in Deutschland vergleichbar sind." Das Ziel: Diese in ihrer Position zu stärken, zu präsentieren, möglicherweise auch wieder eine Wallanlage durch Anpflanzungen anzudeuten. All das würde das Gebiet in neues, attraktives Licht tauchen. Griesert: "Diese Schätze müssen wir zum Leben erwecken." 

 

Weitere Informationen: 
 

 

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und die 
Letzte Aktualisierung dieser Seite am 14.02.2006 um 18:48 Uhr