Gewebesäure und Durchblutung 


Dr. med. Johann Abele


Wir sehen eine Praekapillare, also ein Blutgefäß, das noch von Gefäßmuskeln umsponnen wird. Diese erzeugen durch Druck auf das Äderchen einen Teil des Blutdruckes bzw. regulieren ihn. Viele Stoffwechselkrankheiten wie Rheuma, Gicht, Diabetes, Fettsucht, Arteriosklerose, das Alter, Krebs usw. erzeugen Stoffwechselsäuren, die der Körper nicht los werden kann. Der Urin ist dann zu sauer (pH-Wert 4- 5). 

Die Stoffwechsel-Gewebesäure lähmt die Gefäßmuskeln, so dass der Blutdruck "in der Peripherie" schon vor den kleinsten Haargefäßen, den Kapillaren, absinkt. Dadurch werden die roten Blutkörperchen, die Träger des Sauerstoffes, nicht mehr mit der nötigen Kraft in die kleinen Haargefäße geschoben, sie formieren sich gerne zu Geldrollen und bleiben stecken. 

Saure Stoffwechselprodukte machen aber auch die roten Blutkörperchen steif und unverformbar. Man sieht dies in den kleinen Zeichnungen bei a) und b). Bei a) verformt sich ein rotes, gesundes Blutkörperchen, so dass es in den engen Kanal der Haargefäße leicht hinein und durch sie hindurchschlüpfen kann, bei b) bleibt es infolge seiner sauren "Unverformbarkeit" gleich stecken bzw. muss durch Ansteigen des Blutdruckes mit Gewalt vorwärts geschoben werden. 

Bleibt ein Blutkörperchen in der Kapillare stecken, so fällt hinter ihm der Blutdruck in der Kapillare erst recht ab und der Verkehr auch der Blutflüssigkeit - mit all den ernährenden Faktoren, aber auch den Abtransportsystemen, stockt. Durch das lange Verweilen im ersten Teil der Kapillare werden alle Sauerstoffteile der roten Blutkörperchen bereits hier ausgeladen. Der Rest der Kapillare bekommt nur noch sauerstoffarmes Blut, somit also auch alle hier anliegenden Arbeitszellen der Gewebe. Sie können ihren Betrieb infolge Sauerstoffnot nur mehr schlecht aufrecht erhalten oder sterben ab. Auch die Wand der Kapillare gerät unter Versorgungsnot und wird rauh, dann durchlässig, quillt auf, wird großporig, so dass Blutwasser und Bluteiweiß ins Gewebe ausfließen. Dadurch entsteht erst recht ein Unterdruck in dem venösen Kapillarenteil, und es kommt zum Festsetzen von weißen Blutkörperchen und Verstopfen auch der Venole nach der Kapillare (Äderchenentzündungen). Das ausgetretene Wasser wirkt wie ein Druckkissen (Ödem) und presst seinerseits die arbeitenden Zellen auseinander, so dass deren Kontakt untereinander zerstört wird. Die in den Kapillaren und Post kapillaren und Venolen zurückbleibenden Großeiweiße (Fibrine und Globuline) bilden Netze, in denen sich die Thrombozyten fangen, ebenso alle übrigen Körperchen des Blutes. Es kommt zu Thrombenbildung. 

All dies fördert den immer saurer Werden des Organismus. Am Rücken kann man solche harten, geschwollenen "sauren" Stellen als schmerzhafte Knoten tasten und an den Beinen die Thromben fühlen. 

Der Organismus wehrt sich natürlich lange gegen einen Zusammenbruch seines Stoffwechsels und der Durchblutung. Er bildet - wenn er an den arbeitenden Zellen Sauerstoffnot merkt - mehr rote Blutkörperchen, solange er kann, was leider aber die Zusammenballungsneigung fördert. Er erhöht den Blutdruck, was leider aber wiederum die Arteriosklerose fördert. Erst nach zwanzig Jahren ständigen Säure-Kampfes treten dann irreversible Schäden auf, die man dann, viel zu spät, Krankheiten nennt. 

Alle Stoffwechselvorgänge, die im Körper ablaufen sind von verschiedenen Faktoren abhängig: dazu gehören die Mengen, die Körpertemperatur, das Säuren-Basen-Verhältnis als besonders bestimmende "Haupt"-bedingungen. 

Nicht nur unsere Bäume und Pflanzen, nicht nur unser Flüsse und Seen spüren die Säure, die wir Menschen in nie bisher bekannten Mengen in sie einpumpen. Auch die Tiere leiden an diesem Zuviel. Die schwächeren sterben zuerst, dann die resistenteren. Auch der Mensch ist organisch gesehen ein Tier, und er soll sich nicht zuviel darauf einbilden, die Widerstandsfähigkeit einer Ratte noch zu übertreffen. Auch er erkrankt chronisch an der von ihm produzierten Säure, welche seine Atemluft, sein Trinkwasser und seine Speise vergällt. Wir Menschen können heute nicht mehr durch das Essen naturbelassener Speisen allein unseren Stoffwechsel so basisch bekommen, wie das für einen ungestörten, gesunden Ablauf unserer Organfunktionen.

Letzte Aktualisierung dieser Seite am 02.06.2006 um 22:15 Uhr