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Anders essen als die anderen |
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Alternative
Kost ist in aller Munde. |
| »Erst wurden unsere Bemühungen belächelt,
dann verspottet, dann ignoriert, schließlich heftig bekämpft bis man sie tolerierte und
akzeptierte«, erinnert sich Claus Leitzmann, der geschäftsführende Direktor des
Instituts für Ernährungswissenschaft in Gießen. Der Professor beschäftigt sich seit fast 20 Jahren mit der
Vollwert-Ernährung. Fast ebenso lange wird sein Tun von der etablierten Wissenschaft misstrauisch beäugt. Die hatte zunächst etwas gegen den Begriff Vollwert-Ernährung: Daraus könne der Verbraucher ableiten,
die normale Kost sei halbwertig, erzählt Leitzmann schmunzelnd. Zum anderen hielt sie die Empfehlung, von Sonntagsbraten und Montagswurst zu lassen und
stattdessen, Rohkost und Vollkorngetreide zu essen, für nicht akzeptabel. Heute
weiß man, dass zu viel Fleisch und Fett krank machen können. Die Kritik, die Leitzmann jahrelang aushalten musste, kam nicht nur von Seiten der Ernährungswissenschaft. Vor allem die Lebensmittelindustrie wehrte sich gegen das Motto: »So natürlich wie möglich« Mittlerweile habe die Branche aber umgedacht, freut sich der 60jährige Professor. Nicht der Wissenschaft zuliebe, sondern weil die Verbraucher gesunde Nahrungsmittel wollen: 96 Prozent der Bundesbürger sind der Meinung, dass alternative Kostformen wie die Vollwert-Ernährung gesünder sind als die deutsche Hausmannskost, so das Ergebnis einer Studie der Bundesforschungsanstalt für Ernährung. Obst und Gemüse statt Eisbein und Goulasch Dies bestätigt inzwischen auch der neue Ernährungsbericht des
Gesundheitsministeriums. Dort ist zu lesen, »dass Personen, die sich nach den Richtlinien der Vollwert-Ernährung ernähren, den Empfehlungen und Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung näher kommen als die
Kontrollgruppe, die in ihrem Ernährungsverhalten der deutschen Bevölkerung entspricht«. An Fleisch scheiden sich die Geister Gemeinsam ist allen: Es kommen
vorwiegend pflanzliche Lebensmittel auf den Teller, also Gemüse, Obst, Kartoffeln,, Getreide,
Hülsenfrüchte und Salate sowie naturbelassene Pflanzenöle. Mehr oder weniger deutlich wird zudem
empfohlen auf Treibhausware, Fertiglebensmittel und Konserven zu verzichten und
Bio-Lebensmittel aus der Region zu bevorzugen. Unterschiede gibt es bei tierischen
Produkten. Viele erlauben zwar Mich und Milchprodukte sowie Eier, aber keine
Lebensmittel vom geschlachteten Tier. Andere gestatten auch ein Stückchen Fleisch oder Fisch. Auf die Vollwert-Ernährung kam
Leitzmann nach einem 12-jährigen Aufenthalt in den USA. Er beobachtete, dass Whopper und Pommes hier wie dort das Angebot dominieren. Da er auch
fünf Jahre in Asien gelebt hatte, war die Konzeption für eine gesunderhaltende Ernährung klar. Dabei kam ihm die Erfahrung von zwei Studenten
gelegen. Thomas Männle und Karl von Koerber hatten wälzend eines Praktikums bei dem Naturarzt Dr. Max Otto Bruker
Einblick in die Ernährung mit Grünzeug und Getreide bekommen. Die beiden
beobachteten, dass bislang kränkelnde Patienten ,sich mit solcher Nahrung
gesund, und munter fühlten. Schritt für Schritt entwickelten der
Professor und die Studenten dann das Gießener Konzept der Vollwert-Ernährung. Keine Verbote, nur Empfehlungen Der Professor, der am Institut für
Ernährungswissenschaft speziell den Bereich »Ernährung in
Entwicklungsländern« betreut, will den Welthandel aber nicht
abschaffen. »Manche Lebensmittel, etwa Bananen, wollen wir halt essen«, sagt er. |
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Letzte Aktualisierung dieser Seite am 02.06.2006 um 11:33 Uhr