Mikrowellen in der Vollwertküche?


Etwa jeder zweite bundesdeutsche Haushalt besitzt inzwischen ein Mikrowellengerät. Sind nun die Mikrowellen für den modernen Haushalt als technischer Fortschritt unverzichtbar, oder birgt die "schnelle Welle" für den Menschen nicht wahrnehmbare gesundheitliche Gefahren in sich? Um Vor- und mögliche Nachteile abzuwägen, bedarf es einiger grundsätzlicher Informationen, die im allgemeinen nicht im Prospekt der Anbieter zu finden sind.

Was geschieht in einem Mikrowellengerät? 

Das Herzstück bildet das sogenannte Magnetron. Eine Elektronenröhre wandelt darin elektrischen Strom in Mikrowellen um und sendet sie in den Garraum. Rotierende Antennen, Reflektorflügel oder Drehteller sorgen für eine gleichmäßige Strahlung. Mikrowellen sind elektromagnetische Wellen mit einer Frequenz von 2.450 Megahertz; sie sind mit 12,5 cm Länge extrem kurz und bewirken 2,45 Milliarden Schwingungen in der Sekunde. Andere Hochfrequenzwellen werden als Richtfunk oder Radar im militärischen Bereich, als Radio- und Fernsehwellen zur Nachrichtenübermittlung eingesetzt. 

Im Mikrowellengerät wird anders gegart 

Die Mikrowellen werden von den Lebensmitteln aufgenommen und in Wärme umgewandelt. Durch die unvorstellbar schnellen Bewegungen entsteht im Gargut hohe Reibungswärme. Innerhalb weniger Minuten werden Lebensmittel im Gegensatz zum herkömmlichen Verfahren nicht von außen, sondern von innen gegart. Wasser erhitzt sich dabei schneller als Fett und dieses wiederum schneller als Muskelgewebe. Mikrowellen werden von Metallen reflektiert. Sie durchdringen Glas, Porzellan, Keramik, Kunststoff, Papier und Pappe. Aus diesen Materialien kann demnach auch das Spezialgeschirr bestehen. Polyesterschalen können sich in der Mikrowelle bei fetthaltigen Lebensmitteln bereits nach zwei Minuten auflösen (Katalyse e.V.). 

Werden durch Mikrowellen Zeit und Energien eingespart? 

Die Hersteller sprechen von wesentlichen Einsparungen, z.B. beim Garen von 250 g Kartoffeln an Zeit 80 % und an Energie 32 %. Vordergründig betrachtet mag diese Rechnung aufgehen. In der Küchenpraxis jedoch bringt es selten einen wirklichen Vorteil, wenn die Kartoffeln (um beim Beispiel zu bleiben) bereits nach sieben Mikrowellenminuten und nicht erst nach 35 Minuten im Kochverfahren gar sind. Die übrigen Teile der Mahlzeit wollen ja auch hergerichtet sein, und da sind die 28 Minuten längere konventionelle Garzeit (bei Minimalhitze) gerade nötig, um alle Teile zeitgleich anzurichten. Zur angeblichen Energieeinsparung: Zunächst erfordert die Herstellung eines Mikrowellengerätes, das im allgemeinen zusätzlich zu einem Küchenherd angeschafft wird, eine bestimmte Energiemenge. Weiterhin verleitet so ein Gerät zum vermehrten Einsatz von Tiefkühl-, Halb- und Fertiggerichten. Deren energieaufwendige Produktion und Lagerung lässt die aufgerechneten Einsparungen in einem anderen Licht erscheinen. 

Können von Mikrowellen Gefahren ausgeben? 

In den letzten Jahren wurden zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht, die generell vor einer 'Umweltverschmutzung durch Elektrosmog' warnen.

Sie belegen, dass wir heute quasi permanent elektromagnetischen Strahlen ausgesetzt sind: Im Wohnbereich durch zahlreiche elektrische Geräte, außerhalb durch zehntausende privater, behördlicher oder militärischer Sende- und Abschirmanlagen sowie auch Hochspannungsleitungen, von denen pausenlos Impulse ausgesandt worden. In jüngster Zeit sind die neuen mobilen Funktelefone ins Gerede gekommen, weil ihre Nutzung einen unmittelbaren Körperkontakt voraussetzt. Unser Organismus leitet magnetische Felder nahezu ohne jeden Widerstand, d.h. er wird von innen mit allen Organen und Steuerzentren vollkommen durchdrungen. So können bei empfindlichen Menschen thermische und nichtthermische Effekte verursacht werden, die sich in Form von Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Unruhe, allgemeinem Unwohlsein, Nervosität und Sehstörungen äußern können. Speziell bei der Nutzung des Mikrowellengerätes werden zunächst einmal thermische Wirkungen, verursacht durch Undichtigkeiten (Leckstrahlen) besonders im Türbereich diskutiert. Das Katalyse Institut für angewandte Umweltforschung e.V., Köln, vertritt folgenden Standpunkt: Die meisten modernen Geräte sind besser als die Norm verlangt. Im Mittel lag nach einer Untersuchung des Bundesrates für Strahlenschutz aus 1991 die Leistungsflussdichte bei 0,062 mW/cm2 (Milliwatt pro Kubikzentimeter). Der Grenzwert liegt bei 5 mW/cm2. Bei derart geringen Werten, die im typischen Nutzungsabstand noch geringer ausfallen, sind gesundheitliche Schäden weitgehend auszuschließen. Stichproben zeigen allerdings, dass etwa 10 % der alten Geräte erhebliche Leckagen, besonders im Türbereich aufweisen. die Empfehlung lautet daher: Alte Geräte beim TÜV gegen geringes Entgelt regelmäßig überprüfen lassen. Es gibt für Mikrowellengeräte im Elektrofachhandel auch spezielle Messgeräte ab etwa DM 15,- 

Nicht-erbitzungsbedingte Effekte 

Immer mehr wissenschaftliche Studien belegen, dass Mikrowellen im Niedrigdosisbereich ganz feine und doch tiefgreifende Stoffwechselveränderungen verursachen können. Von Störungen der Nervenfunktionen und des Immunsystems wird am häufigsten berichtet. Nach Andreas Kühne, Dipi.-Biologe, Verden, vermag die molekular absorbierte Mikrowellenstrahlung erstaunliche Molekulardrehungen, komplizierte biophysikalische Mechanismen zu bewerkstelligen, die auf Zell- und Molekularebene wirken. Sein Fazit: Der Mikrowellenherd ist im individuellen Nutzungsbereich ein zusätzlicher Risikofaktor. Seine Besitzer leben in einem Experiment mit unbekanntem Ausgang. 

"Hände weg vom Mikrowellenherd" 

So betitelt das Magazin "raum & zeit" Ende '91 die ('sensationelle') Veröffentlichung einer Studie von Prof. Dr. Bernhard H. Blanc, Institut für Biochemie an der Universität Lausanne und Dr. Hans U. Hertel, Umweitbiologische Beratung und Forschung, Wattenwil. 

 

Die Wissenschaftler weisen darin zweifelsfrei nach, dass unmittelbar nach Aufnahme von im Mikrowellengerät erhitzter, aufgetauter oder gekochter Nahrung Veränderungen im Blut auftreten. Bei den Probanten zeigten sich teils signifikante Veränderungen im Blut, wie die Abnahme der Hämoglobin-Werte (rote Blutkörperchen) und teilweise auch der Lymphozyten (weiße Blutkörperchen) sowie die Zunahme der Leukozyten (kernhaltige, farblose Blutzellen). Diese Ergebnisse lassen auf den Beginn eines pathogenen Prozesses, mindestens auf eine Stresssituation für den Organismus schließen, ähnlich den Veränderungen im Vorfeld eines Krebsgeschehens, so die Autoren. Ganz besonders in der Schweiz hat die Veröffentlichung dieser Arbeit heftige Kontroversen ausgelöst. Sie führte u.a. dazu, dass sich im Frühjahr'92 einer der Autoren auf Grund massiven Drucks aus Wirtschaftskreisen von seiner Arbeit distanzierte. (*) 

Einflüsse auf Lebensmittel 

Seit Jahren wird darüber diskutiert, ob mikrowellenerhitzte Lebensmittel ungesünder seien. Die offizielle Meinung (Bundesgesundheitsamt) geht von rein thermisch bedingten Wertverlusten aus. Das Katalyse Institut, der Dipl.-Biologe Andreas Kühne und andere Wissenschaftler vertreten dagegen den Standpunkt, dass mikrowellenspezifische, nicht hitzebedingte Wirkungen genügend bekannt sind (s.o.). Es sei davon auszugehen, dass sich ähnliche Einflüsse auf Zell- und Molekularebene genauso bei (lebendigen) Lebensmitteln abspielen. Schließlich sind die Strahlenintensitäten, die im Mikrowellengerät auf Lebensmittel einwirken, millionenfach höher als vor dem Gerät. Nicht umstritten sind Geschmacksverluste und Veränderungen in der Beschaffenheit mikrowellengegarter Speisen (Gummigemüse!). Oft werden Lebensmittel, wie Gefriergeflügel, nicht lange genug erhitzt, so dass Salmonellen und andere Mikroorganismen überleben können. Die "schnelle Welle" kann auf Dauer schließlich auch unsere Esskultur erheblich beeinträchtigen, fördert sie doch das Alleinessen und verdrängt Familienmahlzeiten. Vermehrt werden Fertigprodukte bevorzugt, Küchenfertigkeiten werden verlernt und die Abhängigkeit von Nahrungsmittelindustrien wächst. 


Gehört die Mikrowelle in die Vollwertküche? 

Abgesehen von möglichen Gesundheitsrisiken, also rein aus praktischen Erwägungen ist die "schnelle Welle" nicht erforderlich. Unerhitzte Frischkost steht hoch im Kurs und Fertiggerichte werden gemieden. Fleisch steht selten oder gar nicht mehr auf dem Speisenplan. Getreidespeisen sind wegen der nötigen Quellzeit ohnehin nicht mikrowellengeeignet. Der Gegenwert für ein Mikrowellengerät lässt sich gut in eine leistungsfähige Getreidemühle investieren. 

Waltraud Becker

 

Literatur: 

*)Originaltitel der Studie, veröffentlicht im Franz Weber-Journal, Schweiz. "Vergleichende Untersuchungen über die Beeinflussung des Menschen konventionell und im Mikrowellenofen auf bereitete Nahrung"

  • Katalyse e.V., Köln: "Elektrosmog". Verlag C.F. Müller, Heidelb. 1994 
  • Lotz/Ulmer: "Sind Mikrowellenherde Gefahrenherde?" G.A. Ulmer Verlag, Tuningen 
  • H. Harress: "Umweltverschmutzung durch Elektrosmog". neuform-Rundschau 9/93 Andreas Kühne, 
  • Verden: "Die potentiellen Gefahren der Mikrowelle". 6. UGB-Kongress 1993 raum & zeit-Sonderdruck "Hände weg vom Mikrowellenherd!", Ehlers Verlag GmbH, 
  • Sauerlach "Mikrowellenherde!" Gesundheitsberater 7/94 

Letzte Aktualisierung dieser Seite am 02.06.2006 um 11:14 Uhr