"OWL-aktuell" schreibt im März 1996:

Temperieranlage nach historischem Vorbild legt altes Gemäuer trocken

Heizen wie zu Caesars Zeiten

Das Fort C mit der Zugbrücke zum Festungshof und dem Wassergraben

Minden. 
Das Problem ist in ganz Ostwestfalen und überall da bekannt, wo es alte Gemäuer mit dicken Wänden gibt, die einer neuen Nutzung zugeführt werden sollen. Die Wände sind und bleiben feucht. Die Lösung hat man jetzt in Minden gefunden. Dort gibt es eine alte Befestigungsanlage namens Fort C, Teil der Mindener Festungsanlage. Pfiffige Vertreter des Mindener Hochbauamtes fanden eine Ideal-Lösung ausgerechnet in Regensburg an der Donau. 

 

Dort stand man 1972 vor dem Problem, das historische Salzstadel am Brücktor, ein mehrgeschossiger Bau in unmittelbarer Flussnähe, trocken zu bekommen. Glücklicherweise verfügten die Bayern über einen findigen Mann, der sowohl der Geschichte, als auch der modernen Technik etwas abgewinnen kann: Henning Großeschmidt, Mitarbeiter in der Landesstelle für nichtstaatliche Museen im Bayrischen Landesamt für Denkmalpflege in München. 
Er kannte die so genannte Hypokaustenheizung der alten Römer gut genug um zu wissen: Anders als bei neuzeitlichen Anlagen, heizten die Römer nicht nur den Fußboden, sondern auch die Wände, und dies mit äußerst geringen Temperaturen, dafür aber das ganze Jahr über. 

Nicht Böden, sondern Wände heizen
die Heizungsfirma beim Einbau der Kupferleitungen

Moderne Heizungen mit hohen Temperaturen erwärmen die Steine in den Wänden einseitig. Die Feuchtigkeit tritt zwar aus, aber durch die Kapillarwirkung des nassen Gesteins wird das Wasser über die Fundamente regelrecht angesaugt. Bei der römischen Heizung aber trocknen die Wände langsam von innen aus, die Steine ziehen keine Feuchtigkeit mehr. 
Großeschmidt, errechnete daraufhin ein neues Heizsystem mit mäßig warmen, wasserdurchflossenen Rohren in Fußboden und Wänden.  Als diese  "Temperieranlage nach Großeschmidt" ins Regensburger Salzstadel eingebaut worden war, gaben ihm die Erfolge recht. Die Wände trockneten, und selbst nach einer sechsstündigen Überflutung im Dezember 1993 blieben die Wände trocken !  Unerwartet war auch: Großeschmidt´s Temperieranlage braucht 30 Prozent weniger Energie als andere Heizungen. 

Römerheizung spart Energie

Eine ähnliche Anlage wurde jetzt im Mindener Fort C installiert. Ideal: sie ist billiger als herkömmliche Lösungen und dabei "unsichtbar". Sie ist zwar äußerst träge aber schafft so automatisch ein gleich bleibendes Raumklima, wie es in Museen erwünscht ist. 

Den Römern und Henning Großeschmidt sei Dank ! 
 

Ralf Kapries  
 

   

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