Die Grundsteinlegung fand am 13.04.1995 statt


Urkundentext zur Grundsteinlegung:

    Preußen ist durch Beschluss des Alliierten Kontrollrates vom 25. Februar 1947 öffentlich aufgelöst worden. Der Beschluss wurde unter anderem damit begründet, dass Preußen "seit jeher Träger des Militarismus und der Reaktion in Deutschland" gewesen sei.

    43 Jahre nach dem staatsrechtlichen Untergang Preußens haben das Land Nordrhein- Westfalen, die Städte Minden und Wesel sowie die Kreise Minden-Lübbecke und Wesel am 24. Januar 1990 in Düsseldorf die Stiftung Preußen-Museum Nordrhein-Westfalen gegründet. Dabei haben sich die Stifter von der Überlegung leiten lassen, dass die pauschale Einordnung als militaristisch und reaktionär den Leistungen des preußischen Staates nicht gerecht Wird, Sie verkennen nicht, dass der preußische Staat gelegentlich auch die vom Alliierten Kontrollrat verurteilten Züge gezeigt hat. Sie sind jedoch der Überzeugung, dass dieser Staat auch für sich in Anspruch nehmen kann, im Modernisierungsprozess in Europas in den Bereichen Verwaltung, Justiz, Kirchenwesen, Schule und Bildung, Wirtschafts- und Sozialpolitik streckenweise eine Führungsrolle eingenommen zu haben.

    Die Verklammerung großer Teile der Rheinlande und Westfalens im preußischen Staatsverband macht Preußen zum Vorläuferstaat Nordrhein-Westfalens. Diese Vergangenheit unseres Landes ist in den Bereichen des Rechts, der Verwaltung, der Wirtschaft und des Bildungswesens auf Schritt und Tritt ablesbar. Dies zu erforschen und zu präsentieren ist die Aufgabe der Stiftung Preußen-Museum Nordrhein-Westfalen. Hierzu unterhält die Stiftung ein "Museum für preußische Geschichte in Westfalen" in Minden und ein "Museum für preußische Geschichte im Rheinland" in Wesel.

    Im Namen der Stifter lege ich den Grundstein zu diesem Museum in der ehemaligen Defensionskaserne in Minden in der Erwartung, dass die Sammlung, Erforschung und Präsentation der Zeugnisse preußischer Geschichte einen Beitrag für das geschichtliche Selbstverständnis der Bürger in Nordrhein-Westfalen leisten wird.


Minden, den 13. April 1995

gez. Franz-Josef Kniola

Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Preußen-Museum Nordrhein-Westfalen

Minister für Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen

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Minister Franz-Josef Kniola drückte das Landessiegel auf die Stiftungsurkunde, die mit in die stählerne Rolle des Grundsteines gelegt wurde.


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die vorbereitete Kartusche mit historischem Inhalt wird in das Bauwerk eingelassen und anschließend unter Mithilfe des damaligen Ministers Kniola fest eingemauert . . .

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. . . anschließend wird mit viel Zeremonie die Festlichkeit eingerahmt . . .

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Minister Kniola, STD Heinrich Sieling und Museumsdirektor Dr. Veltzke bei der Übergabe von Erinnerungen.

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berichtete am 14.04.1995

Wenn Franz-Josef mit dem Friedrich

Stadtentwicklungsminister   Kniola gab mit Grundsteinlegung Startschuss für Preußen-Museum

Von Hans-Jürgen Amtage


Minden (rnt). Das Namens-Aufgebot klang gestern gar hochherrschaftlich. Franz-Josef (Kniola), NRW-Minister für Stadtentwicklung, würdigte Preußens Friedrich. Was dabei herauskam, ist etwas, auf das die Stadt Minden schon lange gewartet hat. Der Startschuss für das nordrhein-westfälische Preußen-Museum, Abteilung Minden, in der ehemaligen Defensionskaserne auf dem Simeonsplatz.

Die Freude aller Beteiligten war so groß, dass der Frust über das vorangegangene Gerangel um einen Standort für das Museum (fast) vergessen war. Was bleibt, sind ein Fort C auf dem rechten Weserufer, das die Stiftung Preußen-Museum nicht mehr haben will und die Stadt Minden - auch aufgrund bautechnischer Probleme - nicht so recht zu nutzen weiß, und ein Prachtbau im Herzen der Stadt, der nun für rund 18 Millionen Mark für das Preußen-Museum hergerichtet werden soll. Geplante Eröffnung: 1998 - und damit - pünktlich zum 1200jährigen der Stadt Minden. Zugleich jährt sich in jenem Jahr zum 350. Mal der Anschluss des ehemaligen Fürstbistums Minden an Brandenburg-Preußen.

Alles, was besonders in Wahlkampfzeiten Rang und Namen hat, war gestern erst ins Rathaus und dann zur Defensionskaserne gekommen, um dem feierlichen Akt beizuwohnen. So scharten sich um Minister Kniola Mindens Bürgermeister-Vize Wilhelm Pohlmann, Bundestagsabgeordneter Steffen Kampeter, Landrat Heinrich Borcherding, Landtagsabgeordneter Wilhelm Krömer, Stadtdirektor Heinrich Sieling und viele andere, um nicht nur die Unterzeichnung und Besiegelung der Stiftungsurkunde zu verfolgen, die Kniola im kleinen Rathaussaal vornahm, sondern auch der Grundsteinlegung am Eingang der Defensionskaserne beizuwohnen.

Der Stadtentwicklungsminister bewies Geschick beim Einsetzen des schweren Sandsteines in das Mauerwerk und sorgte mit Wasserwaage und Augenmaß dafür, dass der Grundstein die stählerne Rolle mit Urkunde und MT vom 13. April auch richtig verschloss. Ein kühler "Preußens Gloria"-Klarer und ein kurzes Gespräch mit der Trachtengruppe, die sich vor dem Kasernen- Eingang postiert hatte, unterstützten die kurze Erholungsphase des Ministers und Vorsitzenden des Kuratoriums Stiftung Preußen- Museum Nordrhein-Westfalen nach dem "Kraftakt", bevor es dann im Gefolge der Chargierten des Mindener Bürgerbataillons mit Stadtmajor Klaus-Albert Birkenkämper an der Spitze und unter den Klängen des Bürger-Tambourkorps zum Festakt im eigentlich noch leer stehenden ehemaligen Briten-Kasino an der Johansenstraße ging.

Glückliche Umstände

Die Atmosphäre hier erinnerte geradezu an preußische Zeiten, nicht zuletzt wegen der Gemälde mit den Konterfeis der Preußen-Herrscher und der in historische Kostüme gehüllten Kammermusikgruppe der Städtischen Musikschule Minden, die Kompositionen von Friedrich dem Großen vortrug.

Bürgermeister-Vize Wilhelm Pohlmann erinnerte in seiner Begrüßung die rund 100 Gäste an die glücklichen Umstände, die dazu geführt hätten, dass das Preußen- Museum in der ehemaligen Westminster-Kasernenanlage errichtet werden könne. Die Veränderungen in der politischen Weltlage hätten dazu geführt, dass dieses 50 Jahre nach Kriegsende möglich sei.

Stadtdirektor Heinrich Sieling machte die Zuhörer in seiner Ansprache darauf aufmerksam, dass sich an den Bauwerken dieser Kasernenanlage und den sie umgebenden Plätzen städtische, preußische, deutsche und europäische Entwicklungen festmachen lasse. Zweimal im Abstand von 120 Jahren habe sich nach vorangegangenen politischen Umwälzungen auch die örtliche militärische Landschaft und daraus folgend die Stadtstruktur verändert.

Der Simeonsplatz sei mit rund 100 000 Quadratmetern aber nur ein kleiner Teil der rund 114 Millionen Quadratmeter, die vom letzten militärischen Nutzer, der Britischen Rheinarmee, freigegeben worden seien. Er eröffne jetzt eine schon lange erhoffte, aber ernsthaft bis vor wenigen Jahren nicht für möglich gehaltene Stadtentwicklung im Kernbereich. Die Defensionskaserne mit dem Museum für Preußische Geschichte in Westfalen werde "baulicher Glanzpunkt dieser Kulturinsel sein".

Der Leiter des Preußen-Museums mit den beiden Standorten Wesel und Minden, Dr. Veit Veltzke, nannte die beiden Hauptaufgaben, die das Preußen-Museum habe: die preußische Geschichte Westfalens zu belegen und zu erforschen sowie auch die Geschichte des preußischen Gesamtstaates darzustellen, ohne die die westfälische Regionalgeschichte nicht denkbar wäre.

Minister Franz-Josef Kniola erinnerte in seiner Festrede daran, dass die Idee zu einem nordrhein-westfälischen Preußen-Museum Mitte der 70er Jahre in Minden geboren sei. In einer Zeit, in der die negativen städtebaulichen Folgen des stürmischen Wiederaufbaues auch für diejenigen sichtbar geworden seien, die damals noch dem Leitbild nach mehr Wachstum und mehr Zentralität gefolgt wären.

In Minden habe man diesen Konflikt frühzeitig gesehen und bei aller Stärkung der Funktionstüchtigkeit des Stadtzentrums darauf geachtet, den Stadtcharakter zu bewahren und neue Nutzungs- und Bauformen maßstäblich und harmonisch in die Stadtgestalt einzufügen, so Kniola. Die Verkehrsberuhigung und die Modernisierung der stadtbildprägenden Bausubstanz hätten ein übriges getan, und so komme es nicht von ungefähr, dass Minden Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft "Historische Stadtkerne in Nordrhein-Westfalen" sei.

Lange Standortsuche

Kniola ging auch auf die lange Standortsuche ein, die vom Fort C über das Fort A schließlich zur Defensionskaserne geführt habe. Warum die Stiftung das Fort C nicht übernahm, begründete der Minister mit den ohnehin schon zu großen Ausmaßen der Defensionskaserne für das Preußen-Museum. Das Land werde aber die Stadt bei der Anpassung der geänderten Nutzung des Forts unterstützen.