Sonnabend, 30. Januar 1998


Preußische Ordnung wird museumsreif - oder :

Ferngesteuert  Von Hans-Jürgen Amtage

Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. dürfte sich im Grabe umdrehen, wenn er auf Minden blickt. Da werkelt man gerade in der Defensionskaserne an einem tollen Museum, dem Preußen-Museum, und was muss der auf Sparsamkeit und Ordnung bedachte Friedrich feststellen: Es herrscht Chaos.

In monatelanger Arbeit wurde aus dem Riesengebäude ein Schmuckstück gemacht. Eine in die Wände eingebaute Temperierheizung funktioniert bestens, die Raumbeleuchtung wurde millimetergenau installiert. Und jetzt das.

Weil der Preußen-Museums-Chef in Wesel sitzt (dort steht Preußen-Museum II), wird die Mindener Dependance quasi ferngesteuert. Ferngesteuert wird auch die Einrichtung des Mindener "Zwillings" - und das führt zu Problemen. Plötzlich zeigt sich: Viele Lampen hängen falsch. Umhängen ist angesagt.

Doch damit nicht genug. Ausstellungsvitrinen wurden bestellt, die an den Wänden aufgestellt werden sollen. Aber was passiert mit der Wandheizung, die nun zwar die Vitrinen, aber nicht mehr die Räume aufheizen würde ?!

So wird deutlich, dass Ordnung und Sparsamkeit halt Geschichte sind - "museumsreif". In diesem Sinne: Schönes Wochenende.

Dazu meine Meinung:

Gegen diesen Beitrag wäre prinzipiell nichts einzuwenden, wenn nicht der Abschnitt mit der Wandheizung und den aufgeheizten Vitrinen dabei wäre.

Herr Amtage scheint das Prinzip der Temperieranlage nicht erkannt zu haben - oder hat sich bei unkompetenten Fachleuten informiert. Diese Anlage ist keine Wandheizung sondern eine Temperieranlage. Diese Anlage wird, wenn der Betrieb des Trockenheizens und Aufwärmens des Gebäudes abgeschlossen ist, mit ca. 25 . . . 30 Grad Celsius betrieben. Das bedeutet, dass in dem Gebäude alles eine bestimmter Temperatur haben wird - auch die Vitrinen mit ihren Exponaten. Es ist kein Nachteil für die Vitrinen, wenn sie die Temperatur haben wie die gesamte Umgebung - im Gegenteil: eine Vitrine vor einer kalten Wand macht den Exponaten in der Vitrine wegen des Temperaturgefälles in der Vitrine erhebliche Schwierigkeiten.

Die Temperieranlage ist das idealste Beheizungssystem für museale Bauten. Ebenso verhält es sich mit wertvollen Bildern an den Außenwänden bei Gebäuden ohne Temperieranlage. Die Rückseite des Bildes (Exponates) befindet sich auf der kalten Außenwand. Die Vorderseite des Bildes wird von der konventionellen Heizungsanlage erwärmt - im ungünstigsten Fall kann hinter dem Bild Feuchtigkeit entstehen - es bildet sich Schimmel.

Bei einer Temperieranlage wird das Bild gleichmäßig temperiert !

Es ist also einzusehen, dass die Vitrinen ideal platziert sind und dem Gebäude oder den Exponaten kein Schaden zugefügt werden kann - im Gegenteil: es ist so gewollt.

Wollen Sie etwas über die Temperieranlage wissen, dann klicken Sie bitte hier !

. . . und das konnte Herr Amtage vermutlich nicht wissen !

   

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