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    Die Sanierung des Fort C in Text und Bildern:
 
 

- Der Inhalt -

                                             1. Zur Vorgeschichte des Fort C

Minden war von 1815 bis 1873 die stärkste preußische Festung zwischen Rhein und Elbe; als wichtigstem Weserübergang und als Grenzort zum Königreich Hannover kam insbesondere strategische Bedeutung zu. Mit dem Bau der 1847 eröffneten Köln-Mindener Eisenbahn ergab sich fortifikatorisch eine völlig neue Lage, da der - auch militärisch wichtige Bahnhof weit östlich von der Stadt auf dem rechten Weserufer lag und in die Befestigung einbezogen werden musste.

1845 wurde beschlossen, das Bahnhofsgebäude auf der hohen Ufergasse großräumig mit starken Lünetten zu umschließen und diese mit Wall-Linien und krenelierten Mauern zu verbinden. Das wesentliche tiefer gelegene Gelände von Masch und Weder mit der Senke des Osterbaches konnte in diese annähernd viertelkreisförmigen Befestigungslinien nicht einbezogen werden. Zur Deckung der südlichen Kehlfront (entlang der Viktoriastraße), zur Sicherung des Vorgeländes der Brückenkopfbefestigung wie auch zum Schutz der Weserfront der Stadtbefestigung wurde daher das Fort C als vorgeschobenes Werk konzipiert. 1846-1852 wurde es nach Entwurf des Ingenieurs vom Platz Major Hardenack ausgeführt, der auch die Bauleitung für die Bahnhofsbefestigungen hatte. Es liegt südlich vorgelagert hart an der Trasse der Eisenbahn und war durch einen Kommunikationsdamm neben der Bahn , der zum Kölner Eisenbahntor führte, mit der Bahnhofsbefestigung verbunden.

Lageplan.jpg (28424 Byte)Das Fort bildet ein bastionsartiges Fünfeck mit Kernwerk (Reduit), Erdwällen und Mauern, die von Wassergraben, gedecktem Weg und Glacis umgeben sind. Im Zentrum liegt das zweigeschossige Reduit mit pilzförmigem Grundriss. Das massive, ca. 1,80 m starke Bruchsteinmauerwerk ist außen mit Porta-Sandstein verblendet. Über der Gewölbedecke liegt eine bombenfeste (beschusssichere) Erdaufschüttung von ca. 1,50 m Dicke mit Grassodenbelag. Die Kasematten des Obergeschosses haben elf Kanonenscharten; das Untergeschoss ist zur Gewehrverteidigung eingerichtet. Außerdem befanden sich im Inneren ein Pulvermagazin, eine Latrine und ein Brunnen zur Frischwasserversorgung, zudem waren die Obergeschossräume mit Öfen heizbar.

Im Hof des Forts liegt halb im Wall vor dem Reduit eine weitere Kasematte mit Wachraum, Latrine und Pulvermagazin. Durch den umgebenen Wall führen zwei Poternen (tunnelartige Gänge) zu den Grabenstreichen in den Schulterpunkten, von denen aus der Graben und der gedeckte Weg unter Gewehrfeuer genommen werden konnten.

Im Armierungsfall bei Kriegsgefahr wurden die Kanonen über die Rampen auf den Wall gebracht; die Armierungspläne von 1848 und nach 1867 sahen für Fort C vier bzw. fünf Geschütze vor. Für den Fall, dass der Gegner die Wälle des Forts bestürmte und einnahm, sollte das Reduit eine selbständige Verteidigung ermöglichen. Die Soldaten hätten sich dann durch das Tor in der westlichen Kehlmauer in das Reduit zurückgezogen. Zu diesem Zweck war der Platz vor den beiden Zugbrücken durch einen kleinen Tambour, eine Mauer mit Schießscharten geschützt. Der Tambour wurde nach der Aufhebung der Festung Minden abgebrochen, nur seine Fundamentmauern sind noch sichtbar.

Während die meisten Mindener Festungswerke nach 1873 größtenteils abgebrochen oder planiert wurden, blieb das Fort C dank seiner abseitigen Lage nahezu vollständig erhalten und wurde um 1900 teilweise privatisiert. Im "Dritten Reich" diente das Reduit als Kameradschaftsheim der SA ("Willi-Freymuth-Heim"). Im Zweiten Weltkrieg wurde das Fort von mehreren Bomben getroffen; danach verfiel es allmählich.

Als bedeutende Denkmal für den militärisch geprägten Teil der Mindener Stadtgeschichte wurde es 1986 bis 1992 grundlegend saniert, in seiner ursprünglichen Gestalt wiederhergestellt und für Ausstellungen nutzbar gemacht. Dank seiner nahezu vollständigen Erhaltung ist es heute ein markantes Beispiel für ein Befestigungswerk des neupreußischen Systems um die Mitte des 19. Jahrhunderts.


                                                               2. Vorbereitende Maßnahmen

Dieser Bericht über die Sanierung des Fort C lässt sich jetzt relativ leicht aufschreiben, aber zum Zeitpunkt des Baubeginnes, war allen nicht recht bewusst in welcher Form das Objekt im Detail saniert werden sollte. Erschwerend kam hinzu, dass keine Bestandszeichnungen von der Festungsanlage existierten. Um eine Übersicht zur Durchführung der Maßnahme zu bekommen wurde nach Unterlagen vom Fort C geforscht. In Minden, im Kommunalarchiv oder in der Bauordnungsabteilung der Stadt, war nichts zu finden. Allerdings bescherte uns das Staatsarchiv Münster den Lageplan der Festungsanlage aus der Erbauungszeit von 1848. Weitere Unterlagen waren aber auch dort leider nicht vorhanden.

Dieser Plan leistete uns bei der Durchführung dieser Maßnahme wertvolle Dienste, besonders bei der Modellierung der Wallanlage sowie der gesamten Gestaltung der Außenanlagen. Auch lieferte er Schnitte sämtlicher Bauwerke im Bereich der Erdgeschosse. Alle Maße waren hier in "preuß. Fuß" angegeben. Diese angegebenen Maße wurden dann mit den heutigen Maßen am Bauwerk verglichen mit dem Ergebnis der Verhältniszahl von ca. 31,40 cm. Im Brockhaus-Lexikon fand sich folgende Bestätigung: 1 preuß.-Fuß = 12 Zoll = 31,385 cm. Damit waren alle Maße dieses Planes brauchbar geworden.

Von Volkmar, Ulrich Meinhardt (Die Festung Minden, 1958) wurden bereits in derb 30er Jahren Untersuchungen nach zeichnerischen Vorlagen angestellt. Doch fielen all diese Unterlagen 1945 den Flammen zum Opfer.

In Merseburg sollten sich auch noch Unterlagen befinden. Doch wurde uns die Einreise in die DDR zum damaligen Zeitpunkt nicht gewährt. So blieb also nur der Lageplan von 1848 als die einzige schriftliche Quelle, die den Fachleuten vom Westfälischen Amt für Denkmalpflege und dem Hochbauamt der Stadt Minden zu Verfügung stand. Es war abzusehen, dass ein Großteil der anfallenden Arbeiten nicht vor Arbeitsbeginn erkennbar waren. Nicht vorhersehbaren Arbeiten sollten durch eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme realisiert werden. Die Bundesanstalt für Arbeit hat dem Antrag zugestimmt und das Fort C zur Durchführung einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für würdig befunden.

Ein Bauzeitenplan konnte nicht erstellt werden, weil keinem bekannt war, welche Arbeiten im Detail und in welchem Umfang ausgeführt werden mussten.

Es wurde am 01. April 1986 der Startschuss für die Sanierungsmaßnahme Fort C gegeben. 10 Arbeitskräfte, zusammen mit einem Meister (ebenfalls eine ABM-Kraft), standen zur Verfügung.


                                                            3. Übersicht der noch vorhandenen Bausubstanz

Zu Beginn unserer Arbeiten befand sich das Fort C in folgendem Zustand :

  • die rechte (westliche) Flügelmauer mit ihrem Eingangsportal fehlte total,
  • zwischen Reduit und dem Ostwall fehlte die linke Flügelmauer,
  • die Wallanlage zwischen der Westpoterne und der rechten, komplett fehlenden Flügelmauer war zum Errichten eines Wohnhauses um die Jahrhundertwende abgetragen worden. Ansonsten war von der ursprünglichen Wallanlage durch den üppigen Bewuchs nicht mehr viel zu erkennen.
  • das Reduit war im "Dritten Reich" zu einem Luftschutzbunker umgebaut worden. Alle Schießscharten im Keller waren folglich zugemauert. Schutzräume mit den zwangsläufig dazugehörigen Luftschleusen aus mächtigen Ziegelwänden waren geschaffen worden. Die originale Treppe im Reduit, als einziger Zugang zum Kellergeschoss, war - vermutlich aus funktionellen Gründen - abgebrochen und durch drei neue Treppenanlagen ersetzt worden. Eine gewendelte Steintreppe im Eingangsbereich, eine zweite als einläufige Holztreppe zwischen der Latrine und dem Pulverraum (also direkt neben der originalen Treppe) und eine dritte als einläufige Stahltreppe, waren direkt im Pulverraum angeordnet. Bei der letzteren war das Gewölbe zwischen EG und KG durchbrochen worden. Der Innenputz war zwangsläufig durch eindringende Feuchtigkeit und Frost fast zu 100 % an den Außenwänden abgefallen. Als Fußboden war im EG Estrich mit einem eingelassenen Hakenkreuz in der Gebäudemitte eingebracht worden. Im Rundbreich waren zum Teil noch Eichenbohlen mit entsprechendem Unterbau in Schlacke vorhanden, allerdings in sehr desolatem Zustand. Das originale Eingangstor aus Eichenholz war noch relativ gut erhalten. Zusätzlich war ein Eingang in einen Seitenflügel gebrochen worden. Auf dem Erddach des Reduit befand sich ein kleiner, recht dichter Wald.
  • Der Wassergraben um das Reduit war zum größten Teil mit Erdmassen verfüllt, da das Reduit zu einem Luftschutzobjekt umfunktioniert worden war. Ansonsten war der Wassergraben um die gesamte Anlage noch komplett vorhanden, nur von der Vegetation überwuchert

Bei den Poternen mit ihren Grabenstreichen und dem Pulvermagazin sah es ähnlich aus:

  • Beide Poternen wurden in der Nachkriegszeit bis zum Beginn der Sanierungsarbeiten als Garagen genutzt; natürlich mit entsprechenden Estrichaufträgen auf dem Pflasterbelag und Abmauerungen zur Unterteilung des Raumes sowie eingebrochener, erforderlicher Entlüftungen im Scheitel durch das Mauerwerk und durch die Wallanlage. Die Verblendungen der beiden Flügel- oder Stützmauern waren nicht mehr vorhanden.
  • Die Grabenstreichen waren nur noch ruinenhaft vorhanden, die Ostgrabenstreiche war stärker verfallen als die westliche. Im Bereich des Fundaments waren vermutlich sogar mehrere Natursteine in der Vergangenheit herausgesprengt worden. Die Decke fehlte auf beiden Grabenstreichen völlig.
  • Das Pulvermagazin ist zuletzt wohl als Stallanlage genutzt worden. Die Fußböden wurden der Nutzung entsprechend verändert; es waren Ton-Futtertröge in dem Fußboden vorhanden und der Fußboden erhielt in die erforderlichen Richtungen ein Gefälle. Da den damaligen Nutzern die Fenster und Türen vermutlich nicht richtig angeordnet waren, wurde die Fassade bis zur Unkenntlichkeit verändert. Fenster wurden zu Türen und Türen zu Fenstern. Die Verblendung der beiden Flügel- oder Stützmauern waren nicht mehr vorhanden.

4.Schutz vor eindringender Feuchtigkeit – Sanierung der Erddächer

Viel Zeit wurde für die Rodungsarbeiten auf Wall und Innenhof sowie für die Räumung und Entrümpelung der gesamten Anlage benötigt. Um im Gebäude tätig werden zu können, musste die vorhandene Bausubstanz zuerst gegen eindringende Nässe bzw. Feuchtigkeit geschützt werden, da die Räume des Reduit und des Pulvermagazins sehr feucht und zum Teil regelrecht nass waren. Die Sperrschicht unter den Erddächern war sicher durch das Wurzelwerk zerstört worden.

Bevor die gesamte Dachfläche des Reduit dachdeckermäßig eingedichtet werden konnte, mussten die vorhandenen Mutterboden- und Lehmmassen auf dem Dach für die Dachdecker entfernt werden. Diese Sperrschicht musste später durch eine wurzelbeständige neue Sperrschicht ersetzt werden, da es sinnlos war, eine Sperrschicht aus dem vorgefundenen Material einzubringen.

Der mauerwerksmäßige Abschluss des Reduit zum Erddach ist eine komplett gemauerte Fläche, mit entsprechendem Gefälle zu den Simssteinen. Auch diese massive Dachkonstruktion musste mauermäßig ergänzt werden, da die Wurzeln auch hier Zerstörung angerichtet hatten.

Da die gesamten Lehmmassen wegen des hohen Arbeitsaufwandes nicht vom Dach geräumt werden sollten, wurden diese Massen etappenweise auf dem Dach umgesetzt

Diese Eindichtungsarbeiten wurden, wie alle speziellen Arbeiten auch, von Fachfirmen ausgeführt.

Es wurde von uns folgender Schichtenaufbau gewählt:

  • eine Lage Glasvlies V 13
  • eine Lage Rhepanol f - 1,5 mm stark, vollflächig geklebt, 100 mm Stoßüberdeckung
  • eine Lage Glasvlies V 13 als Abdeckung
  • 100 %-ig wurzelfester Heißbitumen-Deckabstrich, mit ca. 5,0 kg/m² in zwei Arbeitsgängen

Wie bei den Erdarbeiten auf dem Reduitdach vorgefunden, wurden in die letzte heiße Vergussmasse, auf der abschließenden Dichtbahn Ziegelsteine gebettet. Sie wurden umlaufend ca. 50 cm von der Simskante entfernt angeordnet, hatten einem Abstand untereinander von ca. 50 cm und wurden im Winkel von ca. 45° zur Simskante verlegt. Damit sollte, ein Abrutschen der Erdmassen vom Dach verhindert werden. Zusätzlich musste vor dem Erkalten des wurzelfesten Deckabstriches eine Kiesschicht der Korngröße 0 ... 8 mm in einer Dicke von 10 mm aufgebracht werden. Diese Schicht, im Befund vorhanden, war eine Drainageschicht auf der Dacheindichtung.

Die Rauchabzüge waren bereits in der Vergangenheit bis auf ca. 0,30 cm unter Oberfläche Erddach abgetragen worden. Bei diesen wurden Fehlstellen ergänzt, Fugen satt verfugt und danach komplett mit in die Eindichtung der Dachkonstruktion einbezogen.

Durch die Wurzeln des mächtigen Bewuchses, die in die Dachkonstruktion zum Teil eingedrungen war, waren auch verschiedene Simssteine aus ihrer ursprünglichen Lage gedrückt worden. Diese Steine wurden, in ihre ursprüngliche Lage versetzt. Die vorhandenen Fehlstellen mussten mit Edelstahlankern, Steinersatzmaterial (wenn es kleinere Fehlstellen waren) oder Porta-Sandstein-Vierungen (bei größeren Fehlstellen) ergänzt werden, damit die Funktion der Simssteine als Tropfkante wieder erfüllt werden konnte. Grundsätzlich wurden sämtliche Vierungen und nachträgliche Ergänzungen in originalem Porta-Sandstein ausgeführt. Kleinere Fehlstellen konnten in Steinersatzmaterial ergänzt werden.

Nachdem das Erddach profiliert, der obere Abschluss mit ca. 2,5 % Dachprofil und eine umlaufende Böschung von exakt 45° hergestellt waren, konnte der Rollrasen aufgebracht werden. Seine Verlegung erfolgte im Fischgrätenmuster. Auf der umlaufenden Böschung wurde der Rollrasen zur Sicherheit gegen das Abgleiten mit 350 mm langen Holznägeln ø 15 ... 30 mm zusätzlich gesichert.

Parallel zu den Arbeiten auf dem Reduit wurde bereits mit dem Pulvermagazin begonnen. Hier wurde nicht das komplette Bauwerk freigelegt, sondern nur der Simsbereich neu eingedichtet und der rückwärtige Bereich des Gebäudes im Ursprung belassen. Großflächig über dem Gebäude direkt unter dem Rasensoden wurde eine dicke Kunststofffolie verlegt.


5. Die Arbeiten am Reduit - dem Rückzugsbauwerk der Festung

Im Reduit wurden Abbrucharbeiten zur Beseitigung der Einbauten der "Dritten Reiches" vorgenommen. Dabei wurden Fehlstellen im Mauerwerk mit entsprechenden Steinen in Reichsformat und Kalkmörtel ergänzt.

Nachdem die Abdichtungsarbeiten abgeschlossen waren, konnte verstärkt im Reduit gearbeitet werden. Hier wurden die Schießscharten freigelegt und Vorbereitungen für die Fußbodeninstandsetzung getroffen. Die drei vorhandenen Treppenanlagen mussten allesamt entfernt werden. Der durch die Treppe im Pulverraum entstandene Durchbruch musste wieder fachmännisch geschlossen werden.

Im Fußboden war deutlich zu erkennen an welcher Stelle das Auflager der Treppenanlage im Kellergeschoss befunden hatte. Ebenso war deutlich auszumachen, dass an der aufgehenden Wand Ziegel abgeschlagen worden waren. Somit war die Geometrie der Treppe festgelegt. Nachdem die Zeichnung in der Planung fertig war, konnten die Maurer die Unterkonstruktion für die Treppenstufen mauern. Als Treppenstufen wurde Obernkirchner Sandstein verwendet. Im Original war die Treppe sehr steil ausgeführt gewesen. Um aber ein halbwegs vernünftiges Steigungsverhältnis für den Zweck eines späteren Museums zu haben, wurde der Lauf der Treppe verlängert. Die originale Treppe hatte 14 Steigungen im Verhältnis von 195/270 mm – die nun eingebaute besitzt 17 Steigungen in dem Verhältnis von 160/290 mm. Die Verlängerung der Treppe betrug damit ca. 120 cm.


6. Die horizontale Sperre gegen aufsteigende Feuchtigkeit

Der hohen Luftfeuchtigkeit und der aufsteigenden Feuchtigkeit musste entgegenwirkt werden. Um das Gebäude für seine musealen Zwecke relativ trocken zu haben wurden folgende Methoden zum Einbau einer horizontalen Sperre geprüft:

  • die Elekto-Osmose
  • die Bohrloch-Injektion
  • die horizontale Sperre durch Einsetzen von nichtrostenden Blechplatten

Die Methoden 1 und 2 erfordern entsprechendes Mauerwerksgefüge, das mit Injektionsmitteln verfestigt werden kann. Unsere Untersuchungen im und über dem Fundamentbereich ergaben bei den ca. 1,80 Meter dicken Außenwänden (in Bereichen der Pfeiler über 3,00 Meter mächtige Wänden), dass kein geeignetes Gefüge dafür vorhanden war. Es blieb uns also nur noch der Einbau einer horizontalen Sperre über die gesamte Schnittfläche des Reduit. Das wären ca. 250 m² Sperrfläche. Der Kostenfaktor beliefe sich damals um ca. 1.000 DM/m². Das wäre g.g.f. vertretbar gewesen, wenn dem nicht entgegengestanden hätte, dass das gesamte Bauwerk, mit einer Seilsäge hätte zerschnitten werden müssen. Es wurde damals entschieden, dass das Gebäude nicht zerschnitten wird. Der spätere Nutzer muss sich auf die Gegebenheiten einstellen. Zum damaligen Zeitpunkt wusste noch niemand, wie hoch die Feuchtigkeit in dem Gebäude ansteigen kann. Denn wäre das bekannt gewesen, wäre mit Sicherheit die horizontale Sperre aus Edelstahl eingebaut worden.

s. unten - Nachbemerkungen -


                                                                     7. Die Zugbrücken

Von den Zugbrücken war nichts mehr vorhanden. Nach dem Plan von 1848 gab es ursprünglich zwei davon. Eine zum Reduit und eine weitere zum Innenhof. Am Reduit fehlten jegliche Anhaltspunkte für die Aufnahme irgendwelcher Zugseile, Rollen und Befestigungen. Die vorhandene Treppe im Eingangsbereich und sonstiges störende Mauerwerk aus der Neuzeit wurden abgebrochen. Hierbei wurden im Keller unter dem Eingang, in der Außenwand, ca. 0,50 m über OF Kellerfußboden, zwei verrottete Rollen gefunden, die an Ankern befestigt waren. Auch zwei komplette Lager, rechts und links unter dem Eingangstor, konnten komplett erhalten freigelegt werden. Diese waren die Lager für die Welle der Zugbrücke. Die zwei Lager waren noch so gut erhalten, dass sie wieder verwendet werden konnten.

Die Rollen im KG, die zwei Lager im Bereich des Tores und die Geometrie des Raumes im KG direkt unter dem Eingangstor sowie die Nische um das Eingangstor ließen Rückschlüsse zu, dass dort keine Zugbrücke, sondern eine "Schwenk- oder Schwingbrücke" gewesen sein muss. Eine Brücke in der Form, die mit ihren Drehpunkt direkt unter dem Eingangstor gelagert ist und somit außen nach oben und innen nach unten klappte. Die Brücke musste von unten im Keller gezogen werden. Dabei schlug sie von außen genau in die vorhandene Nische um das Eingangstor und war damit zusätzliche Verteidigungssicherung für das Rückzugsbauwerk. Die Brücke mit ihrer Welle und den Lagern wurde rekonstruiert, wobei der gesamte Mechanismus für die Bewegung der Brücke weggelassen wurde. Ein Funktionstest mit einem Flaschenzug nach der Fertigstellung ergab, dass die Brücke so konstruiert gewesen sein muss. Bei dem Test wurde ein Flaschenzug im KG an den Rollen (unter der Zugbrücke an der Außenwand) und unten am Ende der Brücke (das dem Tor entfernten Ende) befestigt und gezogen. Die Brücke ließ sich klappen und passte in den dafür vorgesehenen Ausschnitt in der Fassade.

Grundsätzlich bestehen die Zugbrücken bei Fort C immer aus einem beweglichen Teil, der direkten Zugbrücke und einem feststehenden Teil, der Brücke. Diese Brücke ruht einerseits auf einem festen Auflager am Ufer des Wassergrabens und andererseits auf einem zweiten Auflager, gemeinsam mit der Zugbrücke, mitten im Wassergraben. Bei den Erdarbeiten musste noch nach diesen Bauteilen für die zwei Auflager außerhalb gesucht werden. Das Ergebnis bestätigte die logischen Folgerungen. Die Auflager fanden sich mitten im Wassergraben, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit Wasser gefüllt war. Auch die dazugehörigen Stützmauern, die das Auflager am Ufer des Wassergrabens bildete, fanden sich andeutungsweise. Das eine Auflager, das zur Brücke zum Innenhof gehörte, war noch zu 100 % erhalten. Jedoch bei dem vor dem Reduit fanden wir nur noch das Fundament im Erdreich. Die Portasandsteine waren abgetragen worden. Das erste Auflager war nur zu sanieren, d.h. die einzelnen Steine wurden demontiert und wieder neu in Mörtel versetzt. Das zweite Auflager wurde gemäß dem Vorbild wieder erstellt. Der Kern wurde dann in Mauerziegel ausgeführt und die Ansichtsflächen mit 100 mm dicken Portasandsteinplatten verblendet. Die zwei jeweils gegenüberliegenden Stützmauern, als äußeres Auflager für die Brücken, standen in einem Winkel von ca. 90° zueinander und waren miteinander verbunden. Jedoch waren lediglich die untersten drei bis vier Schichten des Portasandstein-Mauerwerkes noch vorhanden. Nachdem diese Hauptmaße bekannt waren, konnten die benötigten Zeichnungen für Zugbrücken, Brücken und Stützmauer angefertigt werden. Der obere Abschluss der Stützmauer im Bereich des Reduit liegt um ca. 60 cm höher, weil diese Brücke um diese Maß höher als die Brücke zum Innenhof liegt. Was in der Konsequenz bedeutet, dass die Pflasterung zum Reduit um diese 60 cm hochgezogen werden musste.


8. Die Schießscharten und die Rauchabzugsöffnungen

Um Licht und keine Witterungsunbilden im Reduit zu haben, mussten die Schießscharten verglast werden. Sowohl die Gewehrschießscharten im KG und im EG als auch die Kanonenschießscharten im EG.

An den z.T. noch als rostige Fragmente vorhandenen Bankeisen war zu ersehen, dass um die Scharten Blendrahmen gewesen sein müssen. Vermutlich wurden die Öffnungen bei Bedarf mit Eisenklappen, die in die Blendrahmen passten, geschlossen. Das war nicht realisierbar, da bei der späteren Nutzung in jedem Fall auch Tageslicht gebraucht wird. Die Planung erarbeitete Zeichnungen für alle Schießscharten aus schlichtem Eichenholz-Blendrahmen mit rahmenlosen Verglasungen aus Einscheibensicherheitsglas (ESG). Jede Scheibe ist zur Sicherheit mit einem Schloss versehen worden. Die Rauchabzugsöffnungen, die im EG über jeder Kanonenscharte angeordnet waren und im KG über allen Dreiergruppen von Gewehrscharten, haben anstatt der Glasscheiben Stahlklappen erhalten.


9. Elektroinstallation, Einbruchmeldeanlage und Putzarbeiten

Für das EG war eine Niederspannungs-Beleuchtung mit Halogen-Leuchten als Grundbeleuchtung vorgesehen. In das Kellergeschoss entwickelten wir in Eigenanfertigung Pollerleuchten (in denen jeweils Steckdosen eingearbeitet sind, damit für spezielle Beleuchtungen überall Strom vorhanden ist ), die im Außen- und Innenwandbereich, ebenfalls als Grundbeleuchtung, eingebaut werden sollten.

Entsprechend der späteren Nutzung stand die Forderung nach einer Einbruchmeldeanlage. Die dafür erforderlichen Installationsarbeiten mussten vor Beginn der Putzarbeiten größtenteils abgeschlossen sein.

Sämtliche Flächen des EG, auf denen der Putz nicht mehr die erforderlichen ebenen Flächen aufwies, mussten vom Putz befreit und für die anstehenden Putzarbeiten vorbereitet werden. Lose Teile mussten abgeschlagen und das in den Fugen befindliche angewitterte Material bis auf festes Fugenmaterial entfernt werden. Im Bogenbereich an den Decken war der Putz noch relativ gut intakt. Es bestand keine Veranlassung diesen herunterzuschlagen.

Bei diesen Arbeiten wurden die, zur Aufnahme des Rückschlages der Kanonen noch im Mauerwerk befindlichen, Eisenringe überprüft und wieder sachgemäß eingemörtelt. Ebenso die an der Decke befindlichen, zum größten Teil noch vorhandenen, 6 Stück Haken, die zur Aufnahme des Gewichtes der Kanonen beim Ausrichten in die exakte Schussrichtung dienten.

Einen Sanierputz wollten wir nicht anwenden. Einen reinen Kalkputz hielten wir ebenso nicht für die richtige Wahl. Nach längeren Beratungen entschlossen wir uns einen Trass-Kalk-Putz anzuwenden.


                                                           10. Die Fußböden in Keller und Erdgeschoss

Durch die enormen Einbauten für den Luftschutzbunker im KG und die daraus resultierenden Abbrucharbeiten ergab es sich zwangsläufig, dass die vorhandenen Feldbrandsteine der Fußbodennutzschicht, nur noch für den Fußboden im Rundbereich ausreichen würden.

Das gesamte Reduit steht, auf Kiesboden. Es war also nicht notwendig unter dem neuen Fußbodenaufbau eine kapillarbrechende Schicht einzubauen. Der Unterbau wurde verdichtet, worauf dann der Pflastersand mit den Ziegeln verlegt wurden. Entsprechend der vorgefundenen Art der Pflasterung wurden die neuen und alten Ziegel verlegt.

Bei dieser Gelegenheit wurde gemäß der Forderungen der Bauaufsicht ein zweiter Fluchtweg im Kellergeschoss angelegt. Es wurde der Ausgang im Bereich der ehemaligen Fäkaliengrube vorgeschlagen und akzeptiert. Das bedeutete, dass wir nur relativ wenig originales Mauerwerk vernichten mussten. Um die erforderlichen Maße von 1,20 x 0,90 m zu erreichen, wurde den Sturz über der Öffnung belassen und nur ca. 0,40 cm in die Tiefe gegangen, was bedeutete, dass man über drei Stufen nach unten, durch die Fluchttür –mit entsprechenden Beschlägen- über die ehem. Fäkaliengrube in Freie gelangen kann.

Im Rundbereich des EG lag z.T. noch der originale Eichenfußboden, einschließlich der Unterkonstruktion, jedoch durch das jahrelange Eindringen der Feuchtigkeit, in einem sehr verrotteten Zustand.

Im geraden Bereich dagegen, war der Eichenfußboden bereits entfernt und durch einen Zementestrich ersetzt worden. Mitten in dem geraden Bereich, also gleich nach dem Eingang, war in einer kreisrunden Fläche ein dunkelgraues Hakenkreuz, flächengleich mit dem Estrich, eingelassen. Es wurde für das gesamte Erdgeschoss (einschließlich Pulverraum und Latrine) folgendes festgelegt:

  • der vorhandene Fußboden wird schonend demontiert,
  • die noch verwertbaren Bohlen werden zur Wiederverwendung als Fußbodennutzschicht im Pulvermagazin verwendet,
  • die Unterkonstruktion wird überprüft, fehlende Teile werden ergänzt, unbrauchbare Teile demontiert und entsorgt,
  • im gesamten Geschoss wird neuer Eichenbohlenbelag, entsprechend den vorgefundenen Breiten, als sägerauh und europäisches Holz, in einer Dicke von 52 mm, verlegt,
  • in die Latrine wird eine Luke, als Zugang zu dem Raum darunter, eingebaut
  • das Symbol des "Dritten Reiches" wird in den neu einzubringenden Fußboden integriert

Entsprechend dieser Festlegungen wurden die Leistungen ausgeführt. Es ist nur zu erwähnen, dass der Eichenfußboden nicht unbehandelt bleiben durfte.

Nach ungefähr einem Jahr Nutzungsdauer stellten wir fest, dass unterschiedliche Flecken aller Art den Fußboden sehr unansehnlich machten. Es wurde der Entschluss gefasst, den Eichenfußboden in der Zukunft in festgelegten Abständen mit ausgesuchtem Wachs durch den jetzigen Nutzer behandeln zu lassen.


                                                                                                  

 11. Kunstschmiedearbeiten

Für die notwendigen Brüstungs- und Treppengeländer sowie als Schutz für den Brunnen und sonstiger Schmiedearbeiten war ein Kunstschmied vonnöten, der die erforderlichen Arbeiten auf die bauliche Umgebung abstimmen konnte. Es wurde angestrebt, dass die Detaillösungen handwerklich dem damaligen hohen Standard entsprechen. Nach unserer Entscheidung, erfolgten Angebot, Vergabe und Ausführung. Die Arbeiten sehen aus, als hätten wir diese nicht ausführen lassen, sondern im Original so vorgefunden und lediglich saniert.

                                                               12. Anstricharbeiten

Um die Oberfläche offenporig und atmungsaktiv zu belassen, damit die auftretende Luftfeuchtigkeit in diesem ungeheizten Bauwerk vom Putz aufgenommen werden kann, schieden moderne Farbanstriche für die Putzflächen aus. Es wurde ein mehrjährig eingesumpfter Kalk ausgeschrieben und alle Putzflächen damit behandelt.

Alle Blendrahmen für die Schießscharten, Rauchabzugsöffnungen und auch die Tore von allen Bauwerken sowie die Fenster wurden nur offenporig mit Öl behandelt.

Sämtliche Eisenteile wurden mit matt schwarzer Kunstharzfarbe lackiert. Dazu zählen auch die Beschläge aller Türen, die Haspen und Bänder sowie alle Geländer.


                                                           13. Fassadensanierung

Das Reinigen aller Fassaden erfolgte schonend mit Wasser aus einem Hochdruckreiniger. Zusätzlich wurden hartnäckige Stellen mit einer festen Bürste bearbeitet. Die Ergänzungen wurden hauptsächlich mit originalen Portasandsteinen ausgeführt; kleine Fehlstellen mit Steinersatzmaterial ergänzt.

Danach wurden die Fugen, und das sind fast alle, von losen Bindemitteln befreit und bis zu einer Tiefe von 3 – 4 cm ausgekratzt. Das Verfugen erfolgte anschließend mit einem speziellen Fugenmörtel (ohne Zusatz von modernen Bindemitteln wie z.B.: Zement).

An der sanierten Fassade kann man das Alter des Gebäudes erkennen (er ist gewollt, dass  das Gebäude nicht wie ein Neubau aussieht !)


14. Westflügelmauer mit Eingangsportal zum Innenhof und Zugbrücke

Bei der zweiten Zugbrücke war es ganz anders. Das Eingangsportal zum Innenhof mit der dazugehörigen Westflügelmauer war völlig von der Bildfläche verschwunden. Durch unseren Plan von 1848 war der Verlauf der Mauer bekannt. Es wurden Probeschachtungen ausgeführt. Wie erwartet, mit viel Erfolg.  Das Fundament der gesamten Flügelmauer und auch des Portals zum Innenhof wurde gefunden. Es war nicht nur das Fundament, es waren sogar noch zwei und teilweise sogar drei der ersten aufgehenden Schichten vorhanden. Damit hatten wir den Verlauf der Flügelmauer und auch den Bereich lokalisiert, in dem das Eingangsportal zum Innenhof gesessen hatte. Es war durch Vor- und Rücksprünge deutlich abgezeichnet. Wir brauchten also nur auf die vorhandenen Schichten aufzusetzen und uns in der Geometrie an der Ostflügelmauer, die noch zum großen Teil vorhanden war, zu orientieren. Es fehlte lediglich der Bereich direkt vom Reduit bis zu der aufgehenden Wallanlage. Leider damit auch die Lage und Geometrie der Schießscharten. Das Hintermauerwerk wird in Mauerziegel in Reichsformat errichtet und 120 mm, für die Portasandsteinverblender einschließlich Fuge, frei gelassen. Zur Verankerung der Verblender wurden in die Fugen Edelstahlanker eingelegt.

Das Eingangsportal mit wiederhergestellter Zugbrücke

Die zwei Schächte für die Gegengewichte der Zugbrücke waren noch komplett erhalten. Sie waren lediglich mit Unrat gefüllt. Den vorhandenen Unrat aus den Schächten zu entfernen war wegen der Geometrie nicht. Diese Schächte wurden dann das Maß für die Konstruktion der Zugbrücke und die Toröffnung im Eingangsportal. Da – wie bereits erwähnt, die Quellenlage äußerst mager war, bot sich für die Zugbrücke und deren Gestalt ein vergleich mit der Zugbrücke von Fort A an. Im Kommunalarchiv der Stadt Minden gab es zwei Fotos auf denen das Eingangsportal vom Fort A (der Festungsanlage an der Friedrich-Wilhelm-Straße) noch 100 %-ig erhalten war. Mit Zustimmung des Westfälischen Amtes für Denkmalpflege nahmen wir diese Fotos als Vorlage für die Geometrie zur Errichtung des Eingangsportals mit der Zugbrücke für Fort C. Ein Detail für die Umlenkrollen im Eingangsportal ließ sich aus einem noch vorhandenen Pfeiler der Mindener Stadtmauer im Bereich der Fischerstadt entnehmen. Danach konnten die zwei erforderlichen Umlenkrollen rekonstruiert werden. Alle anderen Eisenteile für diese Zugbrücke, auch für die Gegengewichte mit den dazugehörigen Ketten, entnahm die Planung den vorhandenen Unterlagen aus dem Mindener Museum vom Fort A. Diese Zugbrücke ist nun so fertiggestellt, dass sie voll funktionsfähig ist.

Es wurde festgelegt die Flügelmauer auf der Außenseite komplett in Portasandstein zu verblenden, jedoch den Sandstein nicht in der vorhandenen Mächtigkeit, sondern nur in 100 mm Dicke. Das Eingangsportal wurde im oberen Bereich, also ab Oberkante Gelände, zu 100% in Portasandstein ausgeführt.

Ein weiteres Problem entstand bei der Festlegung von Anordnung und Größe der Schießscharten in den zwei Flügelmauern. Durch Zufall fand sich bei den Modellierungsarbeiten des Lichtgrabens vom Reduit im Innenhof ein Portasandsteingewände, das darauf schließen ließ, dass es von den Schießscharten der Flügelmauern stammte.


                                                          15. Zur Sanierung des Pulvermagazines

Die Abdichtung des Gebäudes gegen eindringende Feuchtigkeit wurde bereits beschrieben. Sie erfolgte lediglich im Dachbereich. Die Seitenwände und die Rückwand konnten im Original bleiben, da sich vermuteten ließ, dass dort keine Schäden vorhanden waren.

Bei den Abbrucharbeiten stellten wir fest, dass um den kompletten Pulverraum, in voller Höhe des Raumes, ein Umluftkanal angelegt war, der an dem einzigen vorhandenen zweizügigen Schornstein, mit einem eigenen Zug, angeschlossen war. Die Entlüftung der Latrine führte ebenfalls zu diesem Abzug. Der zweite Zug war für den Ofen in der Kasematte vorgesehen. Der Umluftkanal war vermutlich dafür da, dass das Pulver immer trocken bleibt.

Als Fußbodennutzschicht wurde im Pulverraum, das ist der linke Raum des Pulvermagazins, Ziegelfußboden (wie im KG des Reduit) eingebaut. In der Kasematte und in der Latrine, das sind die zwei rechten Räume des Gebäudes, wurden die aufgearbeiteten Eichendielen aus dem Reduit zimmermannsmäßig mit entsprechender Balkenlage als Unterkonstruktion mit loser Nut wie im Reduit verlegt.

Die Öffnungen waren, wie zu Beginn schon erwähnt, vollkommen geändert worden. Dort, wo Türen hingehören (Pulverraum, Kasematte und Latrine hatten je einen separaten Eingang) , waren niedrige Stallfenster eingebaut worden. Dort, wo Fenster hingehören (Pulverraum und Kasematte hatten je ein Fenster), waren Türen eingebrochen worden. Die Aufgabe bestand nun darin, die beiden Türen heraus zu brechen und die Öffnungen für die Fenster zu schaffen. Es musste demzufolge in der Fassade die Brüstung für die zwei Fenster natürlich wieder von außen mit Verkleidung von 100 mm dicken Portasandsteinplatten gemauert werden. Bei den drei Türen war es einfacher, es brauchten "nur" die drei Fenster mit der vorhandenen Brüstung heraus gebrochen zu werden und es war die Öffnung für die Türen da. Fenster und Türen wurden aus massiver Eiche von einem Handwerker aus Minden hergestellt und montiert.

Ebenso wie bei den zwei Poternen fehlten hier rechts und links vom Gebäude die beiden Flügelmauern (oder auch Stützmauern) bis auf das Hintermauerwerk. Da aber nicht, wie ursprünglich ca. 50 bis 70 cm dicke Verblender aus Portasandstein eingebaut werden konnten, sondern nur max. 10 cm dick, musste das Hintermauerwerk fast komplett neu gemauert werden. Zum Glück war immer noch ein Teil des alten Mauerwerkes mit dem dazugehörigen Fundament vorhanden gewesen. Damit war es ein Leichtes, die erforderliche Geometrie der entsprechenden Flügelmauern festzulegen.


16. Die Wallanlage mit Innenhof und Wassergraben

Als vorbereitende Maßnahme wurde die Entschlammung des Wassergrabens rund um die Festungsanlage, bis auf den Eingangsbereich der Anlage, vor Beginn der Sanierungsarbeiten durchgeführt.

Das "Maß aller Dinge" waren bei der Herrichtung der Außenanlagen die Maßangaben auf dem Plan von 1848. Nach diesem Plan konnten alle Rampen, Böschungen und Wege angelegt werden. Auch die zwei nachträglich geschaffenen Stellflächen für Kanonen im östlichen Wall konnten geschaffen werden. Sie waren in diesem Plan als nachträglich eingetragen deutlich erkennbar.

Nach dem Abbruch des kleinen Wohnhauses, das im Bereich des westlichen Walles stand, konnte die Ergänzung des fehlenden Walles zwischen rechten Flügelmauer und Westpoterne ausgeführt werden.

Die Innenhofmodellierung und die Schaffung von Gefälle zur Entwässerung erfolgte nach dem bekannten Plan. Dabei wurden die Originalpflasterungen vor den Poternen, noch zu fast 100 % erhalten, gefunden. Die Innenhofentwässerung erfolgte über die Poternen und Grabenstreichen sowie über den Lichtgraben um das Reduit. Die Entwässerung des Lichtgrabens erfolgte dann über ein vorgefundenes und von uns wieder instand gesetztem Entwässerungsbauwerk im Lichtgraben mit Ableitung der Wässer durch die linke Flügelmauer in den Wassergraben um das Fort C.

Nachdem die Brückenanlagen mit den dazugehörigen Fundamenten und Stützmauern fertig waren konnte auch der noch fehlende Bereich des Wassergrabens ergänzt werden. Damit war der Wasserraben wieder komplett geschlossen.


                                                                   17. Die zwei Poternen

Die in der Vergangenheit in den Poternen eingebauten Garagen mit dem aufgetragene Estrich wurden abgebrochen. Glücklicherweise befand sich unter dem Estrich der Originalfußboden; die Fehlstellen wurden ergänzt, das zur Entwässerung des Innenhofes und des offenen Bereiches der Poterne dienendes Schnittgerinne in der Achse des Gebäudes wurde komplett instand gesetzt. Damit war die Entwässerung durch die Außenwände in den Wassergraben wieder möglich.

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. . . der Zustand der Grabenstreichen zum Baubeginn   . . . und zur Fertigstellung

Die im Scheitel eingebrochenen Öffnungen für die Entlüftung der Garagen mussten wieder entfernt, geschlossen und abgedichtet werden. Oberhalb der Poterne musste dazu der Wall bis zu dem vorhandenen Mauerwerk der Poterne abgeschachtet werden.

Alle Eisenteile wurden bei der Demontage schonend behandelt, damit sie wieder verwendet werden konnten. Fehlende Teile mussten durch neue möglichst originalgetreue ersetzt werden. Auf diese Art wurden alle vier Tore der Poternen instandgesetzt. Bei den Erdarbeiten im Bereich der Grabenstreichen fand sich ein Kastenschloss, das nach gründlicher Reinigung als eines von den vier Poternentoren identifiziert wurde. Es passte genau in die noch vorhandenen Aussparungen. Die drei Kastenschlösser wurden nachgebildet und die fehlenden Schlüssel dazu angefertigt. Damit waren die vier Tore wieder komplett.

Das Mauerwerk der Poternen wurde gründlich mit einem Hochdruckreiniger von den vielen Farbaufträgen der Vergangenheit gereinigt und die Fehlstellen mit passenden Ziegeln ergänzt. Die Haspen für die Tore wurden dabei auf festen Sitz geprüft und beim darauffolgenden Verfugen des Mauerwerkes, was auch hier nur bei Fehlstellen erfolgte, fest eingesetzt.

Ebenso wie bei dem Pulvermagazin, fehlten hier rechts und links vom Eingang der Poternen die jeweiligen zwei Flügelmauern. Das Hintermauerwerk war zum großen Teil noch vorhanden. Die Wiederherstellung erfolgte ebenso wie bei den anderen Bauwerksteilen.


18. Die Grabenstreichen mit dem offenen Verbindungsgang

Der Verbindungsgang von den Poternen zu den Grabenstreichen musste im oberen Bereich aufgemauert und mit Portasandsteinplatten abgedeckt werden. Diese waren alle entfernt worden oder abgerutscht. Noch vorhandene Konturen an den z.T. erhaltenen Putzflächen der Poterne ließen die Geometrie und die Schräge der Lage der Abdeckplatten erkennen. Die gewölbten Bogen über den zwei Ausgängen mussten beim Aufmauern der Wände komplett neu gemauert werden. Die fehlenden Haspen wurden durch einen Schmied, nach den Vorlagen der Poternen hergestellt und beim Aufmauern mit eingesetzt. Der obere Haspen musste immer mit dem Dorn nach unten eingesetzt werden. Das war für uns neu. Die zwei dafür erforderlichen Tore mussten nach den vorhandenen Toren der Poternen analog neu gefertigt werden.

Bei den beiden Grabenstreichen fehlte nicht nur die Decke, also der obere Abschluss, sondern es fehlte bei der Ostgrabenstreiche das komplette aufgehende Mauerwerk und der Portasandsteinsockel. Bei der Westgrabenstreiche waren zu unserem Glück der Portasandsteinsockel und das aufgehende Mauerwerk, einschließlich der Schießscharten vorhanden. Es fehlten lediglich die Decke und ca. 8 bis 10 Schichten aufgehendes Mauerwerk. Weil die zwei Grabenstreichen annähernd, wie auf dem Plan dargestellt, annähernd spiegelbildlich waren, gab es bei der Wiederherstellung der Ostgrabenstreiche keine größeren Probleme. dagegen mit dem oberen Abschluss der Grabenstreichen schon. In Abstimmung mit dem WAfD wurde festgelegt, dass folgendermaßen zu verfahren sei:

  • oberer Abschluss mit einem Sims aus Portasandstein, analog dem Reduit,
  • die Höhe des Simses richtet sich nach der Höhe der Simskante des gegenüberliegenden Poternenausganges,
  • die Decke wird als eine Eichenbalkendecke (Balken an Balken) mit den Abmessungen 20/30 cm ausgebildet,
  • darauf eine dachdeckermäßige Abdichtung analog dem Reduit mit den eingebetteten Mauerziegeln an der Simskante gegen Abrutschen des Erdreiches,
  • auftragen einer ca. 600 mm mächtige Erdaufschüttung analog dem Reduit mit Rollrasen.

Die Fußbodenausbildung war unklar. Wir waren der Meinung es könne nur Ziegelpflaster, ebenso wie im KG des Reduit, im Pulverraum des Pulvermagazines und in den Poternen, gewesen sein. Also wurde der Fußboden so ausgeführt.

Die Putzarbeiten oberhalb des Sockels und im Innenbereich wurden in Kalkputz ausgeführt und wie im Befund vorhanden, mit entsprechenden Fugenmarkierungen versehen. Nach relativ kurzer Zeit zeigte sich, dass wir irgendeinen Fehler gemacht hatten. Der Putz fiel uns in dem darauffolgenden Winter teilweise ab. Wir entschlossen uns dann, wenn auch etwas gegen unsere Überzeugung "Sanierputz" anzuwenden. Es zeigte sich, dass dieser Putz weitestgehend noch jetzt seinen Ansprüchen genügt.


                                                       19. Die "Vorhofbefestigung" ?

Außerhalb des Wassergrabens, vor der rechten Flügelmauer stießen wir bei Erdarbeiten auf Fundamente, die in unserem Plan nicht eingezeichnet waren. Sie mussten wohl zu einer "Vorhofbefestigung" als zusätzlicher Sicherung gehören, damit die Verteidiger im Falle einer Belagerung überhaupt in das Reduit gelangen konnten.

Da aber alle Details für die oberirdischen Baukörper fehlten, musste man sich damit begnügen, die Fundamente in der vorhandenen Form in die Pflasterarbeiten der Außenanlagen einzubeziehen (s.auch "1. Zur Vorgeschichte von Fort C" Bemerkungen über den Tambour).


 

                                                         20. Der Pavillon für den  Empfang der Besucher

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass für die zu erwartenden Besucher der Festungsanlage Fort C ein Empfangspavillon in unmittelbarer Nähe gebaut worden ist. Hier soll der Besucher empfangen werden und Informationen erhalten können. Ebenfalls besteht die Möglichkeit der Versorgung des Besuchers mit Getränken und kleinen Speisen. Öffentliche Toiletten und ein Behinderten-WC sind ebenfalls darin enthalten.


21. Kosten der Sanierung
Die reinen Baukosten belaufen sich insgesamt auf ca. 3.555.000 DM
- zu den Kosten gehören die Aufwendungen der Bundesanstalt für Arbeit als Zuschuss für die AB-Maßnahme in Höhe von ca. 1.245.000 DM
- dazu kommen die Kosten für den nachträglichen Einbau der Temperieranlage in Höhe von ca. . .335.000 DM
Gesamtsumme 5.135.000 DM

  22. Nachbemerkung

Die Bauwerke Defensionskaserne, also das "Preußen-Museum" und das "Fort C" haben eine bedeutende bautechnische Gemeinsamkeit:

Die Temperieranlage

Zur Erläuterung:

  • Diese zwei Bauwerke (das Fort C und die Defensionskaserne) haben, wie fast alle historischen Gebäude,  keine horizontale Sperre gegen aufsteigende Feuchtigkeit.

    • Das bedeutet, dass diese Bauwerke immer hohe Luftfeuchtigkeit haben

    • es entstehen Ausblühungen auf den Putzflächen und Putzschäden sind nicht zu vermeiden.

    • Um diese negativen Eigenschaften nicht zu haben, werden heute alle Gebäude mit Sperren gegen aufsteigende Feuchtigkeit versehen.

  • Ein optimales Raumklima ist mit einer konventionellen Heizungsanlage nicht zu erzielen;

    • es gibt Luftbewegungen und Zugerscheinungen mit den negativen Folgen von Staubablagerungen, usw.

    • Außerdem gehen durch die Heizkörper relativ viele Stellflächen für den Nutzer verloren.

    • Die Außenwände sind immer "kalt", das ist für museale Objekte nicht optimal; im negativen Fall ist sogar mit Schimmelbildung auf der Rückseite von Bildern zu rechnen

 

Wie es zum Einbau der Temperieranlage kam:

  1. Bei der Planung für das Objekt: Defensionskaserne "Preußen-Museum Minden" standen wir vor der Problematik der Trockenlegung des Gebäudes, da infolge fehlender horizontaler Sperre die aufsteigende Feuchtigkeit erhebliche Salzausblühungen und Schäden in der Putzfläche zur Folge hatten.
     

  2. Wir hielten es für die sinnvollste Lösung eine Horizontalsperre in Edelstahl-Platten auszuführen. Was bedeutet, dass das gesamte Gebäude horizontal aufgeschnitten und mit V 4A-Platten gegen aufsteigende Feuchtigkeit geschützt werden muss.
     

  3. Nach Rücksprache mit dem Westfälischen Amt für Denkmalpflege - Referat Ost, wurde uns die Temperieranlage nach Großeschmidt empfohlen, da eine Horizontalsperre mit V 4A-Platten nicht den Vorstellungen des WAfD entspricht. Entsprechende Unterlagen für den Einbau der Temperieranlage wurden uns von dem WAfD zugeschickt und ein erfahrenes Büro für die Planung der Temperieranlage empfohlen.
     

  4. Mit diesem Büro setzten wir uns in Verbindung. Es organisierte auf unseren Wunsch hin, einen Ortstermin in Regensburg, zusammen mit Herrn Großeschmidt, dem Autoren der Temperieranlage, um Gebäude zu besichtigen, bei denen die Anlage bereits eingebaut ist bzw. sich im Einbau befindet.
     

  5. Nach der eingehenden Besichtigung, entsprechenden Auswertungen und weiteren Untersuchungen gab es unsererseits keine Einwände zum Einbau von Temperieranlagen in entsprechenden Gebäuden in Minden.

 

Folgende Punkte, die für den Einbau sprachen:

  • Bei dem Objekt "Preußen-Museum" Minden war bei der Entscheidung für den Einbau einer Temperieranlage hauptsächlich maßgebend, dass die sonst erforderliche aufwendige Horizontalsperre sowie Spezialputze entfallen können.
  • Die Kosten für den Einbau der Temperieranlage belaufen sich erfahrungsgemäß auf ca. 80 ... 85 % gegenüber der herkömmlichen, konventionellen Heizungsanlage.
  • Mit einer Energieeinsparung von ca. 30 % ist erfahrungsgemäß zu rechnen.
  • Wichtig für die spätere Nutzung: - die Heizungsanlage ist nicht sichtbar und somit von Vorteil für die Raumnutzung und Darstellung der Exponate.
  • Die Werte der neuen Wärmeschutzverordnung werden bei Gebäuden mit der Temperieranlage eingehalten.
  • geringerer Energiebedarf und damit auch geringerer Schadstoffausstoß
  • subjektiv und objektiv besseres Raumklima

 

                                                                                                       

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