Die Defensionskaserne

Die 1827/29 erbaute Defensionskaserne auf dem Areal der neugeschaffenen Militär-Vorstadt ist der früheste Bau des preußischen Klassizismus in Minden. Den Entwurf lieferten Mindener Ingenieuroffiziere, vermutlich der Ingenieur-Leutnant Creuzinger. Der monumentale Gebäudekomplex hat eine Abmessung von 94 x 16,6 m und ist allseitig mit Sandstein verblendet. Das Bauwerk wurde als 'defensible' Kaserne konzipiert und wurde im Frieden als Truppenunterkunft für einen Offizier und 388 Soldaten genutzt. Im Belagerungsfall diente es als starke, kasemattierte Batterie und hatte die rückwärtige Verteidigung der Hausberger Front zu unterstützen.

Die Wallseite ist als nüchterne, verteidigungsfähige Festungsfront ausgebildet. Im Obergeschoss zeigt der imposante Batterieblock 21 Kanonenscharten und im Erdgeschoss 24 Schartenfenster zur Gewehrverteidigung. Die Schaufassade zur Hofseite hingegen präsentiert eine prägnant klassizistische Formensprache mit einer monumentalen Pilasterordnung zu je zwei Fensterachsen. Das Obergeschoss ist mit Tonnen- und Kreuzgewölben massiv eingedeckt. Darüber lagen die beschusssichere Bombenbalkendecke und das Grassodendach auf einer Lehmschüttung. Das Attikageschoss zeigt ebenfalls eine Pilaster- und Fenstergliederung, wurde allerdings erst 1882 nach der Entfernung des Erddaches aufgesetzt, um ein weiteres Geschoss zu gewinnen. Zum zentralen Hauptportal führt eine geschwungene Rampe, die in eine von zwei Säulen frankierte Vorhalle führt. Mehrere Bauwerke der ehemaligen, zitadellenartigen Militärvorstadt sind bis heute erhalten; das ehemalige Proviantmagazin von 1830, das Oeconomie-Gebäude, erbaut 1835, das klassizistische Wagenhaus Nr. 2 von 1854 und die Artillerie-Pferdeställe von 1867.

Zahlreiche Gebäude wurden bei der Entfestigung abgebrochen oder durch Neubauten ersetzt. Der später sogenannte Simeonsplatz wurde bis 1993 militärisch genutzt; durch deutsches Militär bis zum Kriegsende 1945 und anschließend durch verschiedene Truppenverbände der englischen Garnison in Minden. Erst seit 1994 - mehr als 120 Jahre nach der Entfestigung - wurde die Stadt wieder Eigentümer des Geländes, das knapp 180 Jahre einer zivilen Nutzung vorenthalten war.

In der ehemaligen Defensionskaserne eröffnete am 14. Juni 1999 die Stiftung Preußen-Museum NRW ihr Preußen-Museum.

Die militärische Geschichte der Stadt scheint damit weitgehend überwunden zu sein. Die Defensionskaserne ist neben dem Garnisonslazarett das bedeutendste Bauwerk in der ehemaligen Militärvorstadt.