Das Artilleriezeughaus


Als Rechtsnachfolger hatte der preußische Staat die Liegenschaften und Immobilien der 1810 säkularisierten Stifte und Klöster übernommen. Der Domänenverwaltung unterlagen in Minden ca. 65 Gebäude aus ehemaligem Kirchenbesitz. Diese Gebäude wurden ohne Bedenken und rücksichtslos zu Offizierswohnungen, Werkstätten, Lagern und Magazinen umgebaut. Hierdurch konnte der dringende Raumbedarf in den ersten Jahren der Wiederbefestigung befriedigt werden.

Mittelalterliche Kirchen wurden zum Teil rigoros zu militärischen Depots und Magazinen umfunktioniert. Dieses Schicksal widerfuhr im besonderen der St. Mauritiuskirche, die als einzige spätgotische Kirche Mindens heute als hochrangiges, mittelalterliches Bau- und Kulturdenkmal gilt. Der Preußische Staat sah dies damals anders; die barbarische Behandlung der Kirche machte nicht einmal vor der Schändung der Grabstätte des heiligmäßigen Mindener Bischofs Bruno, Gründer des Stiftes St. Mauritius in der Mitte des 11. Jahrhunderts halt. Das Kloster wurde zum Artilleriezeughof der Festung umfunktioniert.
Um die Lagerkapazität zu erhöhen, musste das gotische Kirchenschiff, nachdem die Fenster zugemauert waren, durch zwei eingezogene Balkendecken in drei Lagerböden aufgeteilt werden. Die militärische Nutzung blieb bis 1945 erhalten. Auf dem ehemaligen Klostergelände wurden weitere Gebäude umgebaut oder neu errichtet, die als Werkstätten, Quartiere und Wagenhäuser dienten.

Der umfangreiche Artilleriezeughof umfasste das zur Königstraße ausgerichtete, zweigeschossige Wagenhaus Nr. 3, ein angrenzendes Bureau-Gebäude und einen dahinterliegenden kleinen Schuppen Nr. 1, das angrenzende Wohn- und Verwahrungsgebäude, in dem sich auch die Dienstwohnung des Zeughofoffiziers befand, das Wagenhaus Nr. 1 sowie das eigentliche Zeughaus im Kirchenschiff mit der angrenzenden Büchsenmacher-Werkstatt, Schmiede und Gewehrputzstube sowie den Dienstwohnungen des Büchsenmachers und des Zeughof-Sergeanten im Obergeschoss.