Die Bürgerschule von 1834

1834/36 wurde die Ev. Bürgerschule der Stadt Minden errichtet. Sie ersetzte die bis dahin bestehenden vier evangelischen Kirchspielschulen, die sich in beklagenswertern Zustand befanden. Das Gebäude wurde auf dem Gelände einer ehemaligen Stiftskurie errichtet, die König Friedrich Wilhelm 111. der Stadt geschenkt hatte. Der stattliche, wohlproportionierte, zweigeschossige Putzbau im Stil des preußischen Klassizismus wendet die zehnachsige Traufseite dem Schulhof zu.

Kräftige toskanische Pilaster, die die Gebäudeecken umgreifen, tragen ein mehrgliedriges Kranzgesims; die Geschosse werden durch Gurt- und Brustgesims betont. Der Eingang liegt in der Mitte; das dreiteilige Portal wird wie bei einer Tempelfront durch das flache Giebeldreieck hervorgehoben; auf dem Fries steht die Inschrift: "Bürger. Schule. 1834". Ursprünglich saß auf dem First des Satteldachs ein offener Dachreiter mit der Schulglocke; er wurde später entfernt. Der Dachausbau mit dem Zwerchgiebel stammt aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts.

Die Bürgerschule nahm i836 ihren Betrieb als sechsstufige Schule in sieben Klassen mit 294 Knaben und 283 Mädchen auf. In jeder Klasse wurden somit durchschnittlich 82 Schüler unterrichtet. Bis vor wenigen Jahren wurde das Schulgebäude als Bürger-, Mittel- bzw. Realschule genutzt (ehemalige Vincke-Schule).

Auf dem Schulhof befindet sich unter hohen Linden und aus der Blickachse nach rechts versetzt das Denkmal für den ehemaligen Mindener Bürgermeister Kleine.

Das Monument besteht aus einem schlanken Obelisk auf einem Sandsteinsockel. Martin-Friedrich Kleine (1784-1854) hatte sich während seiner 32-jährigen Amts-Zeit (1822 - 1854) hohes persönliches Ansehen bei der Mindener Bürgerschaft erworben. Er war eine herausragende Persönlichkeit mit pädagogischen Einsichten, sozialem Engagement und kaufmännischem Denken. In seine Amtszeit fällt auch die Errichtung der Bürgerschule.