Die Glacis-Anlagen

Minden war seit alters her aufgrund seiner Lage an der Weserfurt ein strategisch bedeutender Schnittpunkt wichtiger Heer- und Handelsstraßen. Die Stadt wurde ab 1200 mit einer Mauer umgeben und um 1500 zu einer Festung verstärkt. Der entscheidende und prägende Schritt erfolgte jedoch erst im 19. Jh. als Minden zu einer preußischen Landesfestung ausgebaut wurde. Die seit dem Mittelalter vorgezeichneten Wälle wurden nun erheblich durch weit in das vorgelagerte Gelände (Glacis) hineinragende Bastionen und Ravelins
verstärkt. Neuerrichtet wurde damals das Kronwerk
Hausberger Front im Süden.

Später wurden auf dem rechten Weserufer weitere Festungswerke errichtet, um den 1847 errichteten Bahnhof und die Hafenanlagen zu sichern.

Die Mindener Glacis- und Promenadenanlagen ziehen sich heute wie ein Kranz um den Stadtkern und markieren so die Lage der ehemaligen Wälle und Gräben der alten Weserfestung. Sie trennen die historische Altstadt vom 'neuen Minden', das sich erst nach der Entfestigung im Jahre 1873 entwickeln konnte.

Den eindrucksvollsten Wallabschnitt mit einer Höhe von über 10,20 M über Straßenniveau bildete die sogenannte Hohe Front im nordwestlichen Wallabschnitt zwischen Königstraße und Pöttcherstraße. An der Nordfront, unmittelbar hinter der Marienkirche, besaßen die Festungswerke eine Tiefe von etwa 5o m. Von dort aus zogen sich die Wälle in drei Stufen bis zur Fischerstadt hinab. Dort sicherte das Hornwerk Fischerstadt den nördlichen Wallabschnitt. Der Weserabschnitt wurde durch das Rondell am Wesertor und drei weitere Bastionen sowie den Brückenkopf auf dem rechten Weserufer gesichert.
Der südliche Wallabschnitt, die sogenannte Hausberqer Front, war mit einer Höhe von 9,25 m und einer Mächtigkeit bis zu 127 m der am stärksten gesicherte Festungsabschnitt.


Laut Auflistung eines Armierungsplanes aus dem Jahre 1864 sollte die Mindener Festung im Verteidigungsfall mit insgesamt 14o Kanonen verteidigt werden. Glücklicherweise hat Minden niemals eine kriegerische Belagerung erleiden müssen. Außerhalb der Wälle verhinderten strenge Rayonbestimmungen jedwede Bautätigkeit. Der hohe Festungsgürtel war nur durch wenige Tore zu passieren. Da die Tore nicht nur Eintritt in die zivile Stadt, sondern auch in das Innere der Festung ermöglichten, wurden sie ständig unter strenger Kontrolle gehalten und Sommertags um 22 Uhr und Wintertags um 21 Uhr verschlossen. Erst 1865 wurde der nächtliche Verschluss aufgehoben. Aufgrund der vielfältigen Belastungen und Einschränkungen wurde die Entfestigung ab 1873 wie eine Befreiung von einem schweren Joch empfunden. Die Menschen waren der Festung überdrüssig. Fast sämtliche Festungsanlagen wurden eingeebnet. Anstelle der ehemaligen Wälle und Gräben, Kasematten und Mauern ist eine vielfältige Parklandschaft entstanden, die den Erholungssuchenden zum Verweilen und Kinder zum Spielen einlädt.


Auf knapp vier Kilometern Länge besteht das Glacis aus sechs völlig unterschiedlichen Abschnitten (im Uhrzeigersinn): 

bilden einen Ring um den Stadtkern. Nur an der Fischerstadt ist dieser Ring durchbrochen.

Zwischen 23 und 175 Meter breit ist der grüne Gürtel, der sich um die Kernstadt schließt, Hier stehen vor allem Eschen, Eichen, Rotbuchen, Bergahorn und Rosskkastanien. An zwei Stellen gibt es Schmuckbeete: An Weser- und Königsglacis, und überall verteilt sind Denkmäler, Spielplätze, Sitzgelegenheiten und die Überreste des Trimmpfades.

Wer rund ums Glacis spaziert oder joggt, bemerkt deutlich die Steigungen: An der Weser liegt das Glacis 40 Meter über NN, der Nordwestlichen Bereich des Marienglacis ist 56 Meter über NN.

Viele Kleinvögel haben hier ihr Revier. Gezählt wurden 27 Brutvogelarten, darunter auch seltenere wie der Gelbspötter, der Gimpel und die Schwanzmeise. Auch die stark gefährdeten Saatkrähen haben am Wesertor eine recht umfangreiche und wachsende Kolonie mit knapp 50 Paaren. Eichhörnchen und Breitflügelfledermäuse gehören ebenfalls zu gefährdeten Tierarten, die im Glacis ihren Lebensraum finden.


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04.01.2001 

 

Bedeutend für Freizeit und Stadt-Ökologie

Das Glacis ist für Freizeit und Erholung der Mindener bedeutend, aber auch für die Stadtökologie: Staub und Lärm werden abgefangen, und hier leben eine Reihe von Tierarten, die auf der Roten Liste von Nordrhein- Westfalen stehen. Ein Blick auf den Mietspiegel zeigt: Die Villen am Grüngürtel sind geschätzt bei Gutbetuchten.

Doch der Erholungswert könnte höher sein. Kritisch merken die Studentinnen an: "Eine wesentliche Beeinträchtigung sämtlicher Abschnitte der Glacisanlagen besteht in der mangelnden Pflege der Gehölzbestände." Die angrenzenden Straßen trügen zur Minderung des Erholungswertes bei, und auch durch Großveranstaltungen wie dem Blauen Band der Weser leide der betroffene Abschnitt. Die "starke gewässerökologische Belastung" von Bastau und Schwanenteich, für Laien mit dem bloßen Auge zu erkennen, mindere auch den gartenkünstlerischen Wert.

Auch wenn die Expertinnen den schlechten Pflegezustand rügen: Das Glacis ist regelmäßig umgestaltet worden. Der Trimmpfad mit 19 Stationen - heute nur noch in Resten vorhanden -, und die Weserpromenade bis zur Nordbrücke wurden 1975 erstellt. 1985 wurde der Schwanenteich nach rund 27 Jahren gereinigt und von einer ein Meter dicken Schlammschicht befreit. Vier Jahre später folgten Maßnahmen zur Bodenverbesserung. In den Folgejahren beschränkte sich die Pflege darauf, Schäden an Bäumen auszubessern. Ein pflegerisches Gesamtkonzept fehlt bis heute.

Den Erhalt des Glacis als Naturpark zu fordern ist eine Sache - ihn zu bezahlen, eine zweite. 4,3 Millionen Mark hat die Stadt für Grün- und Parkanlagen in den Haushalt eingestellt - Geld, das nur unter gezieltem Einsatz Wirkung zeigen kann. Ein Pflegekataster aller städtischen Grünflächen, zu denen auch Sportplätze und Friedhöfe zählen, ist in Arbeit.


Letzte Aktualisierung dieser Seite am 13.08.2018 um 09:31 Uhr