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Die Geschichte der Familie von Studnitz (Schönwalder Linie)

Am Ende des Jahres 1991 wurde in Schönwald (Kreis Rosenberg O/S) die Straße „15. Dezember“ umbenannt: Sie erhielt den Namen „Familie-von-Studnitz-Straße“. Es ist nun höchste Zeit, etwas mehr über die Geschichte dieser Familie zu erfahren. Die Familie von Studnitz gehört nämlich zu einem alten, ursprünglich aus Mähren stammenden Adelsgeschlecht, dessen Stammhaus Bistritz war. Der Name „Studnitz“ ist in der Böhmischen Sprache von „Studnia“ abzuleiten und bedeutet „Brunnen“.

Das Wappen der Familie von Studnitz Das Wappen der Familie von Studnitz stellt auf einem blauen Schild einen goldenen oben und unten gleichseitig gezinnten Balken dar. Auf einem darĂĽber befindlichen Helm mit blaugoldener Decke erkennen wir eine natĂĽrlich gestaltete Wildente vor ursprĂĽnglich sieben schwarzen Hahnenfedern. (Im zwanzigsten Jahrhundert wurde die Zahl der Federn auf bis zu drei reduziert.)

Die Erste urkundliche Erwähnung des Namens von Studnitz stammt aus dem Jahr 1306. Der damalige König von Böhmen, Wenzel III. (1305 – 1306), schlug in diesem Jahr drei Brüder von Studnitz zu Rittern. Das waren: Benedictus, Andreas und George.

Der Enkel von Andreas, der den gleichen Namen wie sein Großvater trug, soll ein Kammerherr des Kaisers Sigismund (1433 – 1437) gewesen sein. In seinem Besitz befand sich Bistritz (in Mähren). Aus seiner Ehe mit Margarethe von Kniezic entstammt der Sohn Wenzel „z Studnice“, der um 1500 auf Bistritz gestorben ist. Der wiederum war mit einer von Mutschelnitz verheiratet. Sein ältester Sohn, Georg, wurde 1478 in Bistritz geboren.

Einige Jahre später entschloss sich seine Familie, nach Schlesien auszuwandern. Sie siedelten sich in Oels an, wo im Jahr 1499 Georg von Studnitz die Erbin von Strachwitz heiratete. Dieser Georg starb im Jahr 1531. Aus seiner Ehe stammt Hans („Jan Geralsky zu Geralticz“), der mit Marie von Pritzelwitz verheiratet war. Hans starb am 6. Januar 1594. Über seinen Sohn Adam wissen wir nur, dass er am 12. Oktober 1599 Eva von Koschembahr aus Skorkau geheiratet hat.

Dessen Sohn, Hans Georg, wiederum erhielt seinen ersten Namen von seinem Großvater väterlicherseits und den zweiten Namen von seinem Großvater mütterlicherseits. Hans Georg wurde am 14. Januar 1607 in Jeroltschütz geboren. Er wurde später Landrat von Oels. Am 23. Oktober 1629 heiratete er in Gohle Anna von Koschembahr (1606 – 1695). Aus dieser Ehe entstammen zwei Söhne:

  • Adam Wenzel, geboren am 29. August 1628,
  • Melchior, geboren in WĂĽrbitz am 2. August 1630.

Die beiden Brüder wurden zu Stammvätern der zwei verschiedenen Linien der Familie von Studnitz. Rosenberg betreffend stammt die Linie der Familie von Studnitz vom jüngeren Bruder, Melchior, ab, welcher Beisitzer beim Landgerichtshof und Assessor des Landgerichtskollegiums in Oels war. In seinem Besitz befand sich Wontschütz. Am 24. Dezember 1651 heiratete er Ursula von Frankenberg aus Ludwigsdorf (1629 – 1677). Melchior starb im Jahr 1693.

Aus dieser Ehe stammt Hans Friedrich, der im Jahr 1655 geboren ist. Dieser wurde Landesältester Rat und Landgerichtshofbeisitzer im Herzogtum Oels. Hans Friedrich wurde am 24. Juni 1680 mit Ursula von Frankenberg aus Ludwigsdorf (1650 – 1701) vermählt. Er starb am 4. November 1701. Sein ältester Sohn, Karl Friedrich, wurde am 12. August 1692 geboren. Am 13. November 1714 heiratete er Marie Eleonore von Tschirschky aus Bögendorff (1694 – 1742).

Karl Friedrich starb am 12. April 1733 als „Herr auf Kattern“. Sein Erbe wurde der Sohn, Karl Wilhelm, der am 5. August 1721 geboren worden war. Am 6. Juli 1746 heiratete Karl Wilhelm Johanna Luise von Prittwitz und Gaffron (1726 – 1768), die leider schon am 27. März 1768 gestorben ist. Im Jahr 1770 vermählte sich Karl Wilhelm erneut, diesmal mit Johann Charlotte von Keltsch (gestorben 1800). Karl Wilhelm selbst starb im Jahr 1779. Aus seine ersten Ehe stammt Ernst Bernhard, der am 2. Juni 1753 in Schmitzdorf geboren wurde. Er war Hauptmann im Königlich Preußischen Bataillon Nr. 1 (Leibgarde), und in seinem Besitz befand sich Schmitzdorf.

Am 29. Juni 1788 heiratet Ernst Bernhard Ernestine Freiherrin von Richthofen (1769 – 1838). Er starb am 23. April 1820. Aus seiner Ehe stammen drei Kinder: Ernestine (1789 – 1790), Karl Friedrich Ferdinand (1790 – 1860) und Ernst (1791 – 1834). Der älteste von den beiden Brüdern, Karl Friedrich, wurde am 9. Mai 1790 in Schweidnitz geboren. Seine Hochzeit mit Louise Ferdinande von Staegmann (1790 – 1867) fand am 14. November 1817 in Stein statt.

Karl Friedrich starb am 24. Juni 1860. Er hatte vier Kinder: Hermann Willibald (1818 – 1894), Benno Adalbert (1819 – 1827), Felix Bernhard (1821 – 1891) und Anna (geboren 1823). Direkt mit Rosenberg verbunden ist der jüngste von den drei Brüdern, Felix Bernhard, der am 21. April 1821 geboren wurde. Er diente im 4. Husaren Regiment und wurde von dort als Rittmeister in den Ruhestand versetzt. Später bekam er den Titel des Rechtsrichters des Johanniter Ordens. Am 18. April 1855 heiratet er Marie Karoline Erdmuthe von Jordan aus Schönwald (1835 – 1901).

Der Vater von Marie, Karl von Jordan, verkaufte seinem Schwiegersohn, Felix Bernhard von Studnitz, sein Dominium für 29.500 Reichstalern. Zu dem neuen Besitz des Grafen Felix Bernhard gehörten: Schönwald, Jordansmüh und die drei Kolonien Charlottenberg, Eichgrund und Ludwikshof. Im Jahr 1861 zählten diese zusammen 596 Seelen, davon 61 evangelische und 6 Juden. Die Rittergüter Schönwald und Jordansmüh hatten eine Fläche von 1.247 ha, dazu gehörten 690 ha Ackerland und Garten, 45 ha Wiesen, 442 ha Wald, 38 ha Unland, zwei Gewässer, Wege und ein Hof. Das Dominium hielt durchschnittlich 2.000 Merinos (veredelte Schafe einer aus Spanien stammenden feinwolligen Rasse), die einen bedeutenden Nutzen brachten. Das Dominium trieb eine mustergültige Schlagwirtschaft mit starkem Futter- und Leinbau. Brennerei und Schäferei waren in bestem Gange.

Im Jahr 1862 wurde Felix Bernhard von Studnitz zum Landrat des Kreises Rosenberg ernannt. Seine Amtszeit endete 1867. Zweimal (im Jahr 1873 und 1876) wurde er für den Kreis Rosenberg in den Preußischen Landtag gewählt. Felix Bernard starb am 12. Februar 1891 in Breslau.

Aus seiner Ehe mit Marie Karoline stammen vier Kinder: Karol Erdmann (1856 - 1916), Luise Erdmuthe (1857 - 1922), Marianne Erdmuthe (1858 - 1919) und Felix Bernhard Erdmann (1859 - 1932). Der älteste Sohn, Karl, widmete sich einer Karriere im Militär. Er diente als Offizier („Sekondlieutenant“) im Leib-Kürassier Regiment Nr. 1.

Schon im Jahr 1889 vererbte Felix Bernhard seine Güter seinem jüngsten Sohn, Felix Bernhard Erdmann, der am 22. Dezember 1858 in Schönwald geboren wurde. Felix Bernhard Junior diente, wie die Familientradition es vorschrieb, im Leib-Kürassier Regiment Nr. 1, zuletzt als Leutnant. Später wurde er Generallandschaftsdirektor. Am 27. Mai 1884 heiratet er in Malitsch Helene Auguste Bertha von Sprenger (1863 - 1934). Aus dieser Ehe entstammen fünf Kinder: Hans Heinrich (1885 - 1972), Marie Luise (1886 - 1946), Felix Siegfried (1888 - 1953), Bernhard Gottlieb (1891 - 1969) und Wilhelm Helmut (1895 - 1967).

Die Familie derer von Studnitz im Jahr 1939Erbe und Nachfolger von Felix Bernhard Erdmann wurde schon im Jahr 1919 Hans Heinrich Felix Erdmann. Felix Bernhard Junior starb am 12. Dezember 1923 in Jeroltscheutz. Sein Sohn, Hans Heinrich, wurde Referendar, Oberleutnant und Rechtsrichter des Johanniter Ordens. Am 14. Januar 1911 heiratete er in Niemptsch Nora Brandt (1889 – 1973). Hans Heinrich war der letzter Besitzer von Schönwald. Er starb am 11. November 1972 in Lübeck. Aus seiner Ehe mit Nora entstammen vier Kinder: Ester (1912 – 1991), Nora (geboren am 11.03.1913), Helga (geboren am 26.07.1917) und der einzige Sohn, Ernst Felix (1919 – 1943).

Der letzte denkbare Erbe Schönwalds, Ernst Felix, wurde seit dem 2. Februar 1943 bei Stalingrad vermisst. Weil der Graf Hans keine anderen Söhne hatte, ist es heute schwer zu sagen, wer sein Erbe wäre.

Andreas Pawlik

PS: Ich bedanke mich ganz herzlich bei Gilbert von Studnitz, der es mir ermöglich hat, Daten fĂĽr die Zeit nach 1945 zu ergänzen, und das Bild sowie das Wappen zur VerfĂĽgung stellte.