Weniger Kröten, mehr Störche
Arbeitsgemeinschaft Natur und Umweltschutz zieht Jahresbilanz für 2011
Bad Oeynhausen (WB).Auch wenn sich die Landschaft zwischen Weser und Werre ständig verändert – der Autobahnbau im Norden und geänderte Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen bleiben nicht unbemerkt – so ist die Arbeitsgemeinschaft Natur und Umweltschutz nach wie vor um Flora und Fauna in der Stadt bemüht. Im Jahresbericht wird Bilanz gezogen.
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| Dieser Weißstorch ist im April auf
einem Acker gesichtet worden. |
Amphibien
Es ist ein weiterer Rückgang von Amphibien zu verzeichnen. Es gibt eindeutig weniger Kröten, Frösche, Molche und Salamander. Gefahrenschwerpunkte für diese Tiere, die bei der Laichwanderung unweigerlich Straßen zu überqueren haben, befinden sich in Bergkirchen, Wöhren und Lohe. Es konnten die Auszubildenden des Berufsbildungswerks des Wittekindshofs Eidinghausen gewonnen werden, an abendlichen Krötenschutzaktionen teilzunehmen. Bei Einbruch der Dunkelheit sammelten sie die Tiere vom Asphalt des Vorberger Wegs. Nach wie vor sucht die Arbeitsgemeinschaft Flächen zur Anlage von Tümpeln, die als Laichbiotop in Frage kommen. Die Örtlichkeit sollte so sein, dass die Tiere zwischen Sommer- und Winterquartier Straßen nicht zu überqueren haben.
Fledermäuse
Fledermäuse erfahren eine immer größer werdende Akzeptanz und Beliebtheit bei den Bürgern. Mehrfach berichten diese über Beobachtungen in den eigenen Gärten oder aber in den Parkanlagen unserer Stadt. Im Wiehengebirgsstollen in Nettelstedt wurde erstmals eine Teichfledermaus entdeckt, die mit einer Unterarmklammer markiert war. Diese stammte aus den Niederlanden. Auch das Interesse von Kindern ist groß. So besuchte eine Gruppe des Dehmer Kindergartens die vergitterte Fledermaushöhle im Wiehengebirge. Mit Schülern der offenen Ganztagsschule wurden unter Leitung von Erwin Mattegiet in einem Gehölz nahe der Wöhrener Straße mehrere Fledermauskästen aufgehängt. Nicht unerwähnt bleiben soll ein herber Rückschlag – in der Löhner Uhlenburg wurde das Fledermauswinterquartier aufgebrochen und dadurch schwer beschädigt.
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| Hans Cordes (von links), Andreas Korf, Lutz Schröter, Rainer-Müller
Held, Thomas Fauck, Erwin Mattegiet, Brigitte Fauck, Axel Perk und
Manfred Schelp haben sich für den Amphibienschutz eingesetzt. |
Schleiereulen und Turmfalken
Mittlerweile haben zwei harte Winter hintereinander den Schleiereulen und Turmfalken hart zugesetzt. Unter der dicken Schneedecke war ihre Hauptnahrung Mäuse schwer zu erreichen. Nur an wenigen Eulenkästen hat die Arbeitsgemeinschaft Natur und Umweltschutz Nachwuchs feststellen können. In der Trafostation Lohe schauten die Kinder des Kindergartens Pusteblume mit ihren Betreuerinnen und Eltern bei einer Eulenberingung zu. Total begeistert streichelten die Kinder Eulenbabys. Übrigens stehen Nistenkästen nach wie vor zur Verfügung, wenn Bürger an geeigneter Stelle an oder in Gebäuden solche für Eulen oder Turmfalken anbringen wollen.
Turmstation
Durch eine Spende der Stadtsparkasse Bad Oeynhausen konnte die Arbeitsgemeinschaft an der Trafostation Breedestraße eine hochwertige Bildtafel anbringen. Auf dieser wird beschrieben, welche wichtige Rolle stillgelegte Türme für Schleiereulen, Turmfalken und Fledermäuse spielen. Mit einer weiteren Bildtafel wird ein Insektenhotel beschrieben.
Wanderfalken
Dieses Projekt steht für 2012 an und soll auf einer Streuobstwiese im Stadtgebiet aufgestellt werden. Mit mehr als 150 Brutpaaren in Nordrhein-Westfalen ist der Wanderfalke mittlerweile in einem stabilen Bestand angekommen. Fünf davon brüten im Mühlenkreis. Das Kraftwerk Veltheim hat einen langgehegten Wunsch erfüllt. Am Wanderfalkenbrutplatz am Kühlturm des Unternehmens wurde eine Webcam installiert. Viele Greifvogelfreunde verfolgen die Brut live im Internet. Leider spielen die Hauptdarsteller noch nicht mit. Die letzte Brut wurde auf unbefruchteten Eiern nach einer langen Brutzeit abgebrochen. Die Arbeitsgemeinschaft blickt jedoch mit Zuversicht auf 2012. Durch die Webcam- Beobachtung kann man den Beringungstermin ganz genau ermitteln. Werden die Ringe den Falkenküken zu früh übergezogen, verlieren sie diese wieder, weil die Füße zu klein sind. Wartet man zu lange, sind die Füße zu groß. Rückschläge waren an der Mindener Marienkirche festzustellen. Ein Steinmarder hat dort die letzten Gelege des Wanderfalken zerstört. Dort wird mit umfangreichen Maßnahmen, Unterstützung der Kirchengemeinde St.-Marien und dem engagierten Dachdeckermeister Lorenz Steiger ein Schutz durch Blechtafeln geplant.
Weißstörche
Man hatte es kaum zu hoffen gewagt – mit 34 Brutpaaren und insgesamt 66 ausgeflogenen Jungstörchen ist ein neuer Rekord aufgestellt. So viel Adebare hatte der Kreis Minden-Lübbecke möglicherweise letztmals vor 70 Jahren. Die »Hauptstadt der Störche NRW« Petershagen führt dabei mit 17 Brutpaaren. Aufgrund dieser hohen Anzahl ausgeflogener Jungstörche hofft die Arbeitsgemeinschaft, dass auch Flächen in Bad Oeynhausen von Störchen besiedelt werden. Gelegentlich werden solche immer wieder in der Weseraue beobachtet, Mitte April suchte ein beringter Weißstorch in Werste hinter einem Traktor nach Nahrung. Der abgelesene Ring ermöglichte eine Auskunft der Vogelwarte Helgoland: Der Vogel war 2010 20 Kilometer nördlich von Frankfurt beringt worden.
Fischadler
Eine neue Vogelart erregte das Interesse. In den Weserauen werden alljährlich wieder ziehende Fischadler beobachtet. Am Steinhuder Meer und am Dümmer See brüten sie bereits. Dies lässt den Leiter der ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer Thomas Brandt hoffen, dass ein »Fischadler- Lückenschluss« zwischen Dümmer See und Steinhuder Meer durch entsprechende Nisthilfen realisiert werden könnte. Zu diesem Zweck sind drei stählerne verzinkte Nistkörbe in Bad Oeynhausen angefertigt worden. Diese sollen nach Erfahrungen von Vogelschützern aus Mecklenburg-Vorpommern auf Hochspannungsmasten installiert werden. Der Netzbetreiber Eon hat die Montage zugesagt und sucht gemeinsam mit Dr. Alfons Bense und Erwin Mattegiet nach geeigneten Standorten.
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| Arndt Viering (Mitte), Sprecher der Stadtsparkasse, übergibt Werner
Trettin (von links), Wolfgang Heper, Dr. Walter Jäcker und Erwin
Mattegiet von der AG Natur eine Informationstafel über Insektenhotels. |
Maisanbau
Weniger erfreulich ist der zunehmende Maisanbau im Kreis. Moderne Biogasanlagen fordern entsprechende Mengen an Energie- Mais. Großflächige Maisanbauten sind für das Ökosystem nachteilig, weil sie nach Beobachtungen allenfalls Wildschweinen Nahrung und Deckung bieten.
Obstbaumwiese
Mit 5000 Euro hat die Arbeitsgruppe die größte Spende in ihrer Vereinsgeschichte erhalten durch die Denios AG in Dehme. Diese wird nach dem Wunsch des Spenders zweckgebunden für die Anpflanzung von alten Obstbaumsorten genutzt. Diese entstehen in Dehme, Werste und Wöhren. Dazu haben Gernot Grübbel und seine Firma Holzbau Grübbel in Gemeinschaft mit dem Berufsbildungswerk des Wittekindshofes Insektenhotels angefertigt, die im Frühjahr an ihren Standorten installiert werden. Mehrere hunderte Hautflüglerarten haben so die Möglichkeit, in den künstlichen Lehm- und Ziegelwänden zu nisten und dabei für eine Bestäubung der Obstbäume zu sorgen.
Exkursionen
Mittlerweile werden seit zehn Jahren geführte Vogelwanderungen am Südlichen See angeboten. Diese organisiert die Arbeitsgruppe zusammen mit dem Natur- und Heimatverein Porta Westfalica im Winter und im Frühjahr. Fachkundige Vogelführer sorgen für spannende Beobachtungen. Eine Kranich- Exkursion in die Diepholzer Moorniederung konnte die Arbeitsgruppe mit der Kreisgruppe des NABU organisieren. Dazu hatten sich mehr als 100 Kranichfreunde eingefunden und bewegten sich mit einem langen Autokorso gen Wagenfeld ins Rehdener Geestmoor. Auch hier warteten bereits 100 örtliche Vogelfreunde, auch solche aus den Niederlanden. Alle erlebten das Naturschauspiel einfliegender Großvögel, die zu tausenden mit lautem Trompeten ihre Schlafplätze in den Flachwasserzonen des Moores aufsuchten.
Verschiedenes
Anfang August hat Wolfgang Heper einen rastenden Schwarzstorch in Oberbecksen entdeckt und berichtete aufgeregt von dieser Erstbeobachtung in unserem Stadtgebiet. In Dehme hat die Arbeitsgruppe eine Neuntöterbrut entdeckt. Im Bauzaun an der A 30 verendete ein Kormoran, der ausweislich eines Rings in Arnheim in den Niederlanden beringt worden war. Waschbären finden sich zunehmend im Stadtgebiet. Trotz Bejagung mit Gewehr und Falle ist die Verbreitung dieses Neubürgers nicht mehr aufzuhalten.
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Eulenberinger Gerhard Neuhaus wird im Juli assistiert von India, die das
Eulenbaby passend zur Beringung in Position bringt. Gespannt schauen
(vorne, links) Anna-Maria sowie (hintere Reihe) Luca, Maya, Alina und
Chiara aus dem Kindergarten Pusteblume zu. |